Leicester: vom märchen zum abstieg – eine ära geht zu ende
Die Erinnerung an den 2. Mai 2016 ist noch lebendig, ein Tag, der die Fußballwelt in ihren Grundfesten erschütterte. Ein Wunder, das so manchen Experten zum Schweigen brachte: Leicester City, die sensationelle Meisterschaft. Ein Triumph, der mit dem Ausruf 'Jamie Vardy is having a party!' in die Geschichte einging.
Die nacht, in der ranieri zum könig wurde
Es war eine Nacht voller Spannung, in der die Spieler um ihren Star, Jamie Vardy, versammelt waren, um das entscheidende Spiel zwischen Chelsea und Tottenham zu verfolgen. Ein Unentschieden (2:2) reichte aus, um Leicester City zur ersten Meisterschaft in 132 Jahren Vereinsgeschichte zu führen. Claudio Ranieri, der Trainer, der aus der Asche auferstanden war, führte eine Mannschaft von 'Unbekannten' zum Ruhm.
Die Quoten der Buchmacher sprachen eine deutliche Sprache: 5.000 zu 1 für einen Leicester-Titel. Eine Wahrscheinlichkeit, die so gering war, dass sie in der Sportwelt ihresgleichen sucht. Leo Ulloa erinnerte sich an die unsicheren Zeiten mit dem Staff, bevor Ranieri übernahm: „Wir fuhren nach Österreich mit dem Staff, aber ohne Trainer. Es herrschte große Unsicherheit.“
Dieser Leicester war ein Mosaik aus Verlierern, aus Spielern, die von anderen Vereinen aussortiert worden waren. Doch unter Ranieri formten sie ein unschlagbares Team. Kanté stahl den Ball, Mahrez kreierte Chancen, und Vardy konterte blitzschnell. Ranieri selbst beschrieb den Spielstil seiner Mannschaft: „Wir sind wie Forrest Gump, wir können nicht aufhören zu rennen.“
Die Pizza-Strategie: Ranieri verstand es, seine Spieler zu motivieren. Mit der einfachen, aber effektiven Strategie, für jeden 'Clean Sheet' eine Pizza auszugeben, sorgte er für eine außergewöhnliche defensive Stabilität. Kasper Schmeichel hielt seinen Kasten in 15 Spielen sauber.

Der fall des königreichs: von der champions league zum chaos
Doch das Märchen hatte ein jähes Ende. Nur ein Jahr später wurde Claudio Ranieri entlassen. Kanté wechselte zu Chelsea, und der Abstieg begann. Drinkwater, Mahrez und Huth folgten, Okazaki und Simpson verließen den Verein. Der Tod des Eigentümers Vichai Srivaddhanaprabha bei einem Helikopterunglück im Oktober 2018 erschütterte den Verein zusätzlich und markierte einen weiteren Wendepunkt.
Trotz aller Widrigkeiten gelang es Leicester, den direkten Wiederaufstieg in die Premier League zu schaffen, nur um dann erneut abzusteigen. Der Abstieg in die dritte Liga, der League One, ist nun Realität. Eine bittere Ironie für einen Verein, der einst die Welt im Sturm eroberte.
Die Ära des Märchens ist vorbei. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine unglaubliche Geschichte, an eine Zeit, in der David Goliath besiegte und der Fußball bewies, dass alles möglich ist. Es ist ein Kapitel, das für immer in den Annalen des Fußballs verewigt sein wird, auch wenn Leicester City nun einen Neuanfang in der dritten Liga wagen muss. Die Frage ist nicht, ob sie zurückkehren werden, sondern wann.
