Lawine reißt 25 skifahrer mit: zwei tote im hochtal val ridanna

Zwei Tote, drei Schwerverletzte, zwei Leichtverletzte – und ein Berg, der binnen Sekunden zur Falle wurde. Am Samstag löste sich auf der Südseite des Hohe Ferse (2.669 m) im südtirolerischen Val Ridanna eine Schneebrettlawine, die eine 25-köpfige Skitourengruppe überraschte. Die Lawine riss rund 600 Meter hangabwärts, der Schneesturm erreichte teils Bahnhöhe von zwei Metern.

Die Gruppe war auf etwa 2.400 Metern zwischen den Gipfeln Große Köfele und Hohe Ferse unterwegs, als das Brett gegen 11.30 Uhr nachgab. Vier Tourengeher konnten sich selbst befreien, die übrigen verschwanden teils komplett unter der weißen Masse. CNSAS-Hubschrauber waren zwölf Minuten später über der Spur, doch die Sucharbeit verlief mühsam: Pulverschnee hatte Tiefschneeverwehungen verklatscht, Spuren wurden binnen Augenblicken zugeschneit.

80 Helfer im einsatz, sechs helikopter im kreiseinsatz

Die Alarmkette lief wie ein Militäreinsatz: sechs Helikopter, zwei Lawinenhunde, drei Bergrettungskompanien, Polizei, Carabinieri und 25 Freiwillige aus dem Talkessel Ridanna. Rettungskräfte arbeiteten in 45-Minuten-Takt, weil das Wetter an jedem neuen Schleifenrand drohte, die nächste Stufe zu lösen. Die Schwerverletzten wurden nach Sterzing und Bozen geflogen, ein 38-Jähriger aus Oberösterreich und eine 42-jährige Deutsche erlagen noch am Hang ihren Verletzungen.

Der Unfallort liegt nur eine Flugminute von der österreichischen Grenze entfernt; viele der Tourengeher kamen aus Deutschland und Österreich, wo das Wochenende für perfekte Pulverbedingungen stand. Genau das war Teil des Problems: Inneralpin war die Schneedecke seit Tagen überlastet, instabile alte Schichten schlummerten unter frischem Pulver. Die Lawinenlageberichte stuften die Gefahr auf Stufe 3 („beträchtlich“) ein – in Steilhängen über 35 Grad aber rechtfertigte sich Stufe 4 („groß“).

127 Tote in europa – und die saison läuft noch

127 Tote in europa – und die saison läuft noch

Mit den beiden Toten im Ridanna klettert die Lawinenbilanz Europas auf 127 Tote seit Oktober. Die Statistik der European Avalanche Warning Services zeigt eine Zunahme von 28 Prozent gegenüber dem Fünfjahresmittel. Haupttreiber: enorme Schneefallmengen, die sich auf einen sowieso schon schwachen Altschnee legten, plus der Boom bei Freeride- und Tourensport nach der Pandemie. Die Lawinenforscher sprechen von einer „Zwei-Jahres-Saison“, weil bereits im Vorjahr 119 Menschen starben.

Die Bergrettung Südtirol kündigte an, künftig verstärkt Tourengruppen zu kontrollieren und bei erhöhtem Risiko Aufstiege zu sperren. Skifahrer reagieren geteilt: Die einen lachen über „Alpin-Nannys“, die anderen buchen lieber einen Guide. Fakt ist: Wer jetzt auf 2.400 Metern ohne Pieps, LVS-Gerät und Lawinenairbag unterwegs ist, spielt Roulette mit 100 Millionen Tonnen Schnee im Rücken.

Die Saison ist jung, der Schnee liegt noch bis Mai – und die Berge vergessen nicht.