Lask patzt gegen hartberg: 28 schüsse, null tore – rangnick schaut mit

Der LASK wollte die Meistergruppe mit einem Klatschen eröffnen, doch TSV Hartberg lachte als letztes. 0:0 in Linz – die Statistik lügt nicht: 28:6 Torschüsse, 72 Prozent Ballbesitz, aber null Punkte Mehrwert. Die Steirer bauten eine Mauer, und kein Linzer hatte die Brechstange dabei.

Kühbauer sieht realität: „hartberg spielt nicht mit, hartberg spielt dagegen“

Dietmar Kühbauer schlug nach Abpfiff die Hände über dem Kopf zusammen, aber seine Stimme blieb ruhig. „Das war kein Fußball, das war ein Rätselraten“, sagte der LASK-Cheftrainer. Er hatte seine Mannschaft gewarnt: Hartberg kommt nicht, um Fußball zu spauken. Hartberg kommt, um zu erben. Und genau das taten die Gäste. Mit 23,1 Jahren Durchschnittsalter jüngste Startelf der Vereinsgeschichte, ohne kranken Abwehrchef Lukas Spendlhofer, dafür mit einem Kasten voller Zweikampfzahlen.

Schon in der 5. Minute klatschte Samuel Adenirans Schuss an die Latte – der Dosenöffner, der nie aufmachte. Danach rutschte der LASK ins Kontroll-Monopol. Hartberg zog sich auf die eigere Hälfte zurück, ließ die Räume eng und wartete auf Konter. Die Linzer kombinierten, flankten, drängten – aber die letzte Idee fehlte. „Das letzte Altzerl war weg“, sagte Kühbauer und klang wie ein Mechaniker, der den Schlüssel verlegt hat.

Jung, wild und mit rot: hartbergs generation z hält dagegen

Jung, wild und mit rot: hartbergs generation z hält dagegen

Manfred Schmid musste nicht mal laut werden. Seine Jungs wussten, was Sache ist: Laufwege abdichten, Schüsse blocken, Zeit schinden. Selbst nach Youba Diarras Platzverweis in der 88. Minute wechselte Hartberg nicht auf Zeitspiel, sondern auf Schach. Drei Minuten Nachspielzeit, drei zusätzliche Körper auf der Linie. Der Punkt war schon gepackt, als der Vierte Offizielle die Tafel noch gar nicht hochgeklappt hatte.

Kapitän Jürgen Heil, 28, ältester Mann im Team, grinste wie nach einem 3:0-Sieg. „Wir wollten zeigen, dass wir nicht zum Zuschauen hier sind“, sagte er. „Nächste Woche kommt die Austria – und die kriegt auch keine Rosinen geschenkt.“

Kalajdzic bangt, rangnick schaut hin

Kalajdzic bangt, rangnick schaut hin

Für Sasa Kalajdzic war der Abend ein Selbstversuch. Der Stürmer lief 90 Minuten, suchte Lücken, fand keine. Seit Frühjahr wartet er auf ein Tor – und nun auch auf einen Anruf. Teamchef Ralf Rangnick gibt am Montag seinen Kader für die Testspiele gegen Ghana und Südkorea bekannt. „Ich habe wie ein Hund gearbeitet“, sagte Kalajdzic vor der Sky-Kamera. Die Antwort kommt per SMS, nicht per Torjubel.

LASK-Keeper Lukas Jungwirth atmete tief durch. „Cup-Halbfinale am Mittwoch in Ried – das ist das nächste Endspiel.“ Für die Linzer ist die Tabellenführung nach dem ersten Spieltag ein Trostpreis, der verdammt schmeckt. Aber sie wissen: Wer gegen Hartberg nicht trifft, darf in Ried keine Schüsse verschießen. Die Saison ist noch lang, aber die ersten Fragen sind schon da. Und sie klingen lauter als 28 Schüsse auf leere Tribünen.