Laporta erweckt cruyff mit einem satz zurück: „mit johans augen ist das leben wunderbar“
Zehn Jahre nach seinem Tod schreit niemand länger seinen Namen – außer Joan Laporta. Am Dienstag, dem 24. März, trat der Präsident des FC Barcelona vor die Kameras und ließ den Niederländer in drei Sätzen auferstehen. Keine Träne, keine Gedenkminute, nur ein Foto: Laporta lachend, Arm um Cruyffs Schulter, 1975. „Wer ihn liebte, spiegelt sich täglich in seiner Meisterschaft“, sagte er und schickte die Fans mit einem Satz zurück auf den Platz: „Geht raus und genießt das Leben – mit Johans Augen ist es wunderbar.“

Ein weißes trikot und ein flug nach amsterdam
Was niemand sah: 48 Stunden zuvor saß Laporta bereits im Ajax-Stadion. Dort überreichte Jordi Cruyff dem Museum das original weiße Barcelona-Trikot seines Vaters aus dem Jahr 1975. Laporta ließ sich die Show nicht entgehen. Er schmunzelte, als die Holländer „Johan, Johan“ skandierten – so laut, dass es durch die Hallen schlug wie ein Konzert. Für ihn keine Pflichtveranstaltung, sondern eine private Pilgerfahrt.
Im Flugzeug zurück nach Barcelona las er Cruyffs alte Kolumnen. „Er hasste Pathos“, erzählt Laporta im Gespräch. „Also haben wir heute auch keins gemacht.“ Stattdessen postierte er nur das Bild und den Satz – und löste damit eine Welle aus: 1,3 Millionen Abrufe in zwölf Stunden, mehr als jedes offizielle Vereinsvideo zum Jahrestag.
Die Botschaft ist kalkuliert. Laporta kämpft um eine dritte Amtszeit. Cruyff ist dabei sein Leitfeuer – nicht nur, weil der Niederländer die Dream-Team-Ära erfand, sondern weil seine Bildmarke in Katalonien noch immer 82 Prozent positive Assoziationen liefert. Intern nennen das Laportas Berater „Cruyff-Kapital“. Es wirkt.
Am Nachmittag schickte die Stiftung Cruyff eine Mail an alle Mitglieder: Die Johan-Cruyff-Schulen weltweit tragen heute dieselbe weiße Retro-Kluft, die Jordi überreichte. Laporta selbst schlüpfte ins Trainingscenter, stellte sich zwischen die U-12-Kinder und ließ sich fotografieren – wieder mit diesem breiten Grinsen, das genauso aussieht wie auf dem Foto aus dem Jahr 1975.
Ein einziger Satz, ein Bild, ein Flug nach Amsterdam – und Cruyff ist zurück, ohne dass jemand „Gedenken“ sagen musste. Laporta versteht die Regel: Legenden leben, wenn man sie gebraucht. Heute braucht er sie – und die Fans jubeln, als wäre das Finale von Wembley gestern gewesen.
