Lange fordert blummenfelt heraus: duell der giganten in roth eskaliert
Patrick Lange legt sich vor 40.000 Zuschauern in die Startbucht und lacht. „Ich bin nicht nach Roth gekommen, um zweiter Sieger zu werden“, sagt der dreimalige Hawaii-Champion. Am 5. Juli trifft der Hesse auf Kristian Blummenfelt – und macht schon mal klar, dass er nicht nur gewinnen will, sondern die 7:23-Stunden-Bestzeit von Magnus Ditlev in den Schatten stellen könnte. Die Ansage: Marathon unter 2:30 h, Gesamtzeit „irgendwo in der 7:15-Zone“. Die Frage ist nur: Hält das seine Beine aus?
Die 20-meter-regel könnte den rekord killen
Organisatoren haben Profis diesmal 20 m Abstand auf dem Rad verordnet – statt 12. Das klingt nach Lappalie, bedeutet aber: Windschatten fast null, Pulskurve hoch, Energiehaushalt spürbar schneller leer. Lange kennt die Rechnung: „Bei 180 Kilometern frisst das 90 Sekunden, vielleicht zwei Minuten.“ Blummenfelt, 32, Olympiasieger und Ironman-Weltmeister von 2022, sagt trocken: „Ich fahre trotzdem Vollgas, egal, wer vor mir ist.“
Die beiden kennen sich aus der Weltcup-Circus-Arena, haben sich aber nie auf der Langdistanz gegenübergestanden. Lange gilt als stärkster Läufer des Feldes, seine 2:30:27 h aus 2023 sind Rohdiamant. Blummenfelt dagegen schwimmt wie ein Speedboot und radelt mit der Gewissheit, dass ihm keiner den Fahrtwind nimmt. Wer zuerst ins Ziel kommt, könnte sich 2025 Startnummer eins für Hawaii sichern – das Rennen gilt als inoffizieller WM-Seismograph.

Roth wird zur schachpartie mit 42 grad asphalt
Die Streckenführung ist ein offenes Geheimnis: 3,8 km Solgraben-Kanal, 180 km Rad mit der berüchtigten Solarer Berg-Wand, dann der Marathon auf glühendem Beton durch Roths Altstadt. Lange trainierte im Mai in Bad Wildungen bei 34 °C Schatten, simulierte den „Brennofen“ mit Heizstrahlern im Studio. Blummenfelt flog Extra-Trips nach Teneriffa, um Hitze-Shots zu sammeln. Beide wissen: Wer hier kollabiert, verliert mehr als nur ein Preisgeld – er verliert die Aura der Unbesiegbarkeit.
Die Veranstalter haben 140.000 Liter Eiswasser und 1.200 Wettkampfhelfer positioniert. Die Zielgerade verwandelt sich in ein Kessel-Kino, 40.000 Fans an der Strecke, 300.000 vor den Bildschirmen. Für Lange ist es die fünfte Roth-Teilnahme, für Blummenfelt die erste. „Ein Neuling hat keine Narben“, sagt Lange grinsend. Blummenfelt kontert: „Ein alter Hase hat keine neuen Tricks.“
Die Uhr tickt. In 72 Stunden geht der Kanonenstart. Dann entscheidet sich, ob Langes Traum von der 7:15-Uhr-Weltbestzeit Realität wird – oder ob Blummenfelt den Norweger-Triumph von Kona 2022 in Roth wiederholt. Eines ist sicher: Wer hier gewinnt, schreibt sich selbst ein Stück Sportgeschichte. Und wer verliert, muss mindestens ein Jahr lang erklären, warum.
