Wolff raus: gislason setzt auf neue torhüter-generation

Andreas Wolff sitzt zum ersten Mal seit fünf Jahren keinen Nationalteam-Kader. Alfred Gislason schickt den EM-Helden nach Hause – und eröffnet damit das Duell der Torhüter-Zukunft.

Die botschaft hinter dem aus

Die Szene ist schnell erzählt: Wolff steht am Flughafen, Koffer in der Hand, und muss erklären, warum er nicht nach Dortmund fliegt. „Ich nehme das sportlich“, sagt er, doch seine Augen verraten ihn. Gislason hatte ihn am Vorabend angerufen, kurz, sachlich: „Wir brauchen dich diesmal nicht.“ Eine Pause, keine Strafe. Dennoch ein Machtakt.

Der Bundestrainer nutzt die Testspiele gegen Ägypten – 19. und 22. März – als Labor. David Späth bekommt die Chance, sich als Nummer eins zu etablieren. Lasse Ludwig, 22, soll sein Debüt feiern. Beide kennen sich aus der Bundesliga, beide haben etwas zu beweisen. Wolff hingegen soll Kraft tanken für den Saisonendspurt mit dem THW Kiel. Die Ironie: Gerade erst hatte er in der Champions League mit 14 Paraden den Viertelfinaleinzug perfekt gemacht.

Die hintertür bleibt offen

Die hintertür bleibt offen

Gislason betont, es gehe nicht um eine Abwahl, sondern um Rotation. Doch im Handball zählt das letzte Spiel. Wer sitzt, verliert. Wolff weiß das, er hat selbst einst Uwe Gensheimer verdrängt. Nun ist er der Senior, der jungen Wilden im Weg. Die Frage ist nicht, ob er zurückkommt, sondern ob er noch rechtzeitig die Form findet, bevor im Januar 2027 die Heim-WM beginnt.

300 Tage sind es bis zum Eröffnungswurf in der Düsseldorfer MERKUR SPIEL-ARENA. Gislason will bis dahin drei Torhüter auf Augenhöhe. Wolff, Späth, Ludwig – ein Trio mit Sprengstoff. Der Isländer liebt klare Hierarchien, hasst Überraschungen. Wer gegen Ägypten glänzt, erhält Bonuspunkte. Wer patzt, rutscht ab.

Die Afrikaner liefern den perfekten Prüfstein. Sie spielen schneller als die Europäer, werfen aus unmöglichen Winkeln. Genau das, was Deutschland bei einer WM erwartet. „Wir müssen unsere Abwehr variabler machen“, sagt Gislason. Code für: Der Torhüter muss mehr steuern, früher kommen, lauter werden. Wolff kann das alles – nur gerade nicht aus der ersten Reihe.

Am Ende bleibt eine einfache Rechnung: 60 Minuten Spielzeit, zwei Plätze im Kader. Wer sitzt, hat verloren. Wolff kennt die Regel, er hat sie selbst geschrieben. Jetzt muss er umlernen: Stille kann lauter sein als jede Parade.