Länderspielpause? nicht für alle super-league-profis

Die Länderspielpause ist kein Urlaub. Während in der Super League die Tore schweigen, packen 43 Profis Koffer – und fliegen ins Nachtcamp oder ins WM-Turnier. Murat Yakin bestellt sechs Young Boys, Lugano liefert vier Legionäre, und die Grasshoppers? Die schicken sogar neun U-Kicker weg. Kurzatmig wird’s vor allem beim Tabellenschluss.

Young boys dominieren a-nati, gc flutet u-repräsentationen

Beim Rekordmeister aus Bern laufen gleich drei Stammspieler zu Yakin in die Schweizer A-Elf: Marvin Keller, Alvyn Sanches und Joel Monteiro. Dazu gesellen sich Fabian Lustenberger, der für die Schweiz U-21 aufläuft, sowie zwei weitere Leihgaben für ihre Heimligen. Das macht sechs Abstellungen – Spitzenwert in der Axpo Super League. YB-Sportchef Christoph Spycher lacht nicht: „Wir zahlen die Gehälter, sie sammeln Minuten – ideal, wenn alle heil zurückkommen.“

Der FC Lugano folgt mit vier A-Nationalspielern. Die Tessiner verlieren ihre Abwehrriegel um Jonathan Sabbatini und Maren Haile-Selassie, zudem reist Stürmer Boris Babic zu den bosnischen Quali-Spielen. Trainer Mattia Croci-Torti muss in der Trainingswoche mit Ersatzpersonen improvisieren, ein Vorbereitungsspiel fiel bereits aus.

Spannender wird das Rennen in der U-Repräsentation. Hier führt der angeschlagene Traditionsklub Grasshopper Club Zürich mit neun Nominierungen – ein Novum, das die Misere dokumentiert. Die jungen Talente sollen Spielpraxis tanken, doch intern heißt es: „Wir bräuchten sie hier, um Punkte zu retten.“ Mit dabei sind Flügelflitzer Dion Kacuri und Keeper Simon Kälin, die zwischen Bank und Startelf pendeln. Addiert man die beiden A-Nationalspieler, kommt GC auf 11 Abgänge – mehr als jeder andere Klub.

Der FC Luzern verliert sieben U-Kräfte, darinnen Mittelfeld-Talent Ardon Jashari, das im März gegen Deutschland debütierte. St. Gallen und Basel folgen mit je sechs Junioren. Die Basler müssen sogar auf ihren neuen Finnen Oliver Klauss verzichten – EM-Quali ruft.

Risiko verletzung, gewinn erfahrung

Risiko verletzung, gewinn erfahrung

Die Clubs tragen das Risiko. Jeder Muskelfaserriss, jede Prellung kann den Saisonplan durchkreuzen. Doch die Nationaltrainer zahlen keine Ablöse. „Wir können nicht Nein sagen, sonst steht der Spieler im nächsten Sommer nicht im Kader“, sagt ein Liga-Insider. Die Super League profitiert langfristig, wenn ihre Gesichter auf internationalen Bühnen glänzen – kurzfristig klafft jedoch ein Loch in den Trainingsplänen.

Die Zahren sind eindeutig: Elf Vereine geben 17 A-Länderspieler und 26 U-Talente ab. Die Meisterschaft ruht, der Kampf um Punkte verschiebt sich in die Länderspiele. Wenn am Wochenende die Liga wieder rollt, zählt nur eins – wer fit zurückkommt. Und das wird sich auf der Tabellenspitze und im Abstiegskampf gleichermaßen bemerkbar machen.