Bilyk schlägt nach kiel-klatsche alarm: champions-league-traum begraben
29:30 in Melsungen – ein Treffer Differenz, eine ganze Saison bedroht. Mykola Bilyk sprach nach der neuerlichen Pleite offen aus, was viele beim THW Kiel denken: Die Europa-League-Truppe wirkt wie ein Handy bei fünf Prozent Akku – mal an, mal aus, am Ende schwarzer Bildschirm.
Die wende blieb eine fata morgana
Die Zahlen sind gnadenlos: 36:16 Punkte, Platz vier – klingt nach Spitzengruppe, ist in Wahrheit ein Minenfeld. Gummersbach lauert nur einen Zähler dahinter, Lemgo zwei Punkte, beide haben Partien in der Hinterhand. Die Füchse Berlin gar sechs Minuspunkte weniger. Die Konkurrenz lacht, Kiel zittert. „Wir müssen ganz andere Sachen in den Vordergrund stellen“, sagt Bilyk und wischt die Champions-League-Frage mit einer Handbewegung beiseite. Für den 29-Jährigen ist das kein Tiefschlag, sondern Realismus pur.
Was in der 56. Minute noch wie eine heroic tale wirkte – 5 Tore Rückstand aufgeholt, 29:29 –, endete als Moral- und Punkteverlust. „In den wichtigen Situationen waren wir nicht eiskalt genug“, so Bilyk. Die MT nutzte die letzte Atempause, traf, der THW antwortete mit einem letzten Wurf, der am Aluminium zerschellte. Die Schlusssekunde war zugleich die Ohrfeige.

Keine erklärung für das auf und ab
Warum eine Mannschaft mit Weltmehrfach-Weltmeister Filip Jicha auf der Bank und Olympiasieger Domagoj Duvnjak auf dem Feld mal wie ein Ferrari und mal wie ein Traktor daherkommt, bleibt selbst den Spielern schleierhaft. „Das würden wir auch gerne wissen“, gibt Bilyk zu. Die Wahrheit liegt auf dem Hallenboden: 14 technische Fehler, eine verworfene Siebenmeter-Parade, eine Abwehr, die in der ersten Hälfte aussah, als stünde sie im falschen Film.
Die Saison verflüchtigt sich mit jedem Fehlwurf ein bisschen mehr. Noch vier Spiele, dann ist Schluss. Wer jetzt rechnet, landet beim worst-case-Szenario: Platz sieben, keine Champions League, sondern EHF-Cup – für Kiel-Verhältnisse ein Kulturschock. Bilyk will davon nichts wissen: „Erst einmal gewinnen.“
Der nächste Gegner heißt Bergischer HC. Nach dem Debakel in Melsungen droht ein Psycho-Duell: Entweder der THW dreht an der Schraube – oder die Saison rutscht endgültig in die Bedeutungslosigkeit. Die Uhr tickt. Keine Zeit mehr für schöne Worte.
