Laliga wird retro – nur real madrid bleibt stur
41 von 42 Klubs ziehen die alten Trikots an, der Ball rollt in Pixel-Optik, Schiedsrichter tragen Vintage-Ärmel – und genau da knallt es. Real Madrid boykottiert die Retro-Runde am 31. Spieltag, weil Präsident Florentino Pérez LaLiga-Chef Javier Tebas für einen „Feind“ hält. Das Weiße Haus will nicht mal das Puma-Matchball-Modell anfassen.

Die modenschau beginnt heute nacht
Madrid ist zurzeit Modestadt. Während Models auf der Mercedes-Benz Fashion Week über die Laufstege stapfen, bringen Clubmanager historische Dresser aus Archiven. Barça, Rayo Vallecano und Getafe tragen zwar moderne Shirts, spendieren aber Retro-Content für die LED-Banden. Die restlichen Teams schlüpfen in Jerseys von 1929 bis 1994 – inklusive kurzer Hosen, kratziger Wolle und ohne Sponsorenlogo. Die TV-Grafik zapft 8-Bit-Scoreboards auf, das Puma-Ball-Design zitiert die 1982 WM-Kugel „Tango“. Ein Spektakel, das die Liga als „Brücke zwischen Generationen“ verkauft.
Doch das Gebilde hat einen Riss. Die 19 LaLiga-Klubs, die mitmachen, unterschrieben binnen 48 Stunden. Die 22 Zweitligisten folgten sofort. Real blockierte von Anfang an. Intern heißt es, Tebas habe die Aktion ohne Abstimmung mit den Vereinen aus der Hand der Rechte-Agentur CVC abgekauft – ein Deal, den Pérez wegen „Verlust der Souveränität“ seit Monaten vor Gericht kämpft. Für den Königlichen ist jedes Retro-Logo ein Mini-CVC-Logo, also tabu.
Die Konsequenz: Am 12. April (Spieltag 31) tritt Real Madrid im Bernabéu mit dem aktuellen Adizero-Dress gegen Mallorca an, während die Gäste ein rotes Retro-Shirt mit weißem Polo-Kragen tragen. Die Bilder werden irritieren – und genau das wollen die Verantwortlichen. „Wir haben genug gestritten“, sagt Tebas dem Radiosender COPE, „wenn einer nicht mitfeiert, zeigt das nur, wie klein er sich selbst macht.“
Die Zahlen sind trotzdem brutal: 41 Klubs liefern Content für TikTok, Instagram und die Metaverse-Version von LaLiga. Real liefert nichts. Stattdessen veröffentlicht der Klub um 21.00 Uhr eine schicke Schwarz-Weiß-Story – und kassiert trotzdem Likes. Denn das Boykott-Spiel ist Teil der Marke. Pérez kennt seine Fans: Wer gegen Tebas ist, ist für Madrid.
Die Liga rechnet mit einer Reichweite von 1,3 Milliarden Eindrücken an den drei Spieltagen. Trikot-Verkäufe? Limitiert auf 150 000 Stück, Preis 140 Euro, Online-Shop startet heute um Mitternacht. Bereits jetzt stürzen sich Sammler auf Rayos gestreiftes 1981-Modell und auf Betis’ grün-weiße Sechziger-Jahre-Version. Real-Fans finden lediglich alte Raul-Trikots auf eBay – und ein Statement des Klubs, das mit keinem Wort „Retro“ erwähnt.
So gewinnt am Wochenende die Nostalgie – und verliert sie gleichzeitig. Weil ein Verein seine Geschichte nicht teilt, wird sie für alle sichtbar. Ironie des Sports: Je mehr man sich weigert, desto lauter fällt der eigene Chor. Und der klingt, auch ohne Retro-Shirt, sehr nach Madrid.
