Lahm holt sepp-herberger-sonderpreis – stiftung macht den unterschied

Philipp Lahm trägt am Montag den zweiten Pokal nach Hause – diesmal nicht für Titel, sondern für Haltung. Die Sepp-Herberger-Stiftung kürt den ehemaligen Kapitän der 2014er-Weltmeister in der Kategorie „Fußball-Stiftung“, und das direkt vor eigenem Publikum in der Autostadt Wolfsburg.

Die gala, die mehr zählt als tore

Elf Preise, fünf Kategorien, ein einziger roter Faden: Fußball als Sozialmotor. Lahm bekommt den Sonderpreis für seine gleichnamige Stiftung, die seit 2017 Kindern und Jugendlichen Zugang zu Sport, Gesundheitsbildung und Vereinsstrukturen verschafft. „Der Pokal ist kein Schlusspunkt, er ist Startschuss“, sagt der 113-malige Nationalspieler. Konkret: 2026 fließen über eine Million Euro in Nachwuchsprojekte, Mobile Mitmach-Courts und Vereinshilfen – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Doch Lahm ist nur das Gesicht eines ganzen Ökosystems. Neben ihm stehen Clubs, die längst jenseits der Liga-Tabelle punkten. Die DJK Sportfreunde Datteln 2018, der SV Eichede und der FC Forstern zeigen, wie Inklusion funktioniert: gemeinsame Trainingseinheiten von Behinderten- und Freizeitmannschaften, barrierefreie Umkleiden, digitale Schiedsrichter-Apps für rollstuhlfahrende Spieler. Die DFL übernimmt die Lizenzkosten, die Clubs liefern die Leidenschaft.

Gefängnis-projekte, schul-allianzen, berliner traditionsgemeinschaft

Gefängnis-projekte, schul-allianzen, berliner traditionsgemeinschaft

Bayer Leverkusen, die JVA Butzbach und die SG Oftersheim bilden das Trio in der Kategorie „Resozialisierung“. Knast-Kicker trainieren mit Profis, nach der Haft wartet ein Verein, nicht die Leere. Die Kickers JuS 03, der 1. FC Heidenheim und der VfL Bückeburg verankern Fußball im Schulalltag – mit Lehrplänen, die Taktik und Teamgeist auf Mathe und Deutsch übertragen. Den Horst-Eckel-Preis heimst die VAR/Traditionsgemeinschaft des Fußballsports Berlin ein: Alteingesessene Vereine sichern historisches Spielfeld-Eigentum ab und schulen Schiedsrichter in Flüchtlingsunterkünften.

Die Zahren sind klein, die Wirkung gross: In Datteln stieg die Mitgliederzahl seit 2018 um 38 %, in Butzbach sank die Rückfallquote um 17 % – gemessen an vergleichbaren JVA-Abteilungen. Die Herberger-Jury schaut nicht auf Platzierungen, sondern auf Nachhaltigkeit. Deshalb gewinnen nicht die mit dem größten Etat, sondern die mit der klarsten Zielgruppe.

Philipp Lahm weiss, dass Trophäen verstauben, wenn man sie nur ins Regal stellt. Also packt er den Pokal ein, fliegt zurück nach München und lässt die nächste Förderrunde laufen. Sonderpreis hin oder her – die eigentliche Ehre heißt: morgen wieder auf dem Platz sein, diesmal ohne Kameras.