Urbig zurück im tor: bayerns notlösung vor atalanta wird 16 jahre jung
Jonas Urbig hat am Montag das Trainingsgelände in München wieder mit Stutzen betreten – und damit die Bayern-Fans kurz vor dem Champions-League-Knaller gegen Atalanca einen Seufzer der Erleichterung entlockt. Nach der Gehirnerschütterung im Hinspiel meldet sich der 21-Jährige zurück, doch die Lage bleibt prekär: Manuel Neuer, Sven Ulreich und Leon Klanac stehen weiter auf der Verletzungsliste.

Leonard prescott: der schulabgänger, der am mittwoch in der allianz arena stehen könnte
Wenn Urbigs Symptome wieder aufflammen, rückt ein Teenager in den Fokus, der eigentlich gerade erst seinen Realschulabschluss in der Tasche hat. Leonard Prescott, 16 Jahre und 23 Tage alt, trainierte mit der Profigruppe, wurde von Vincent Kompany extra hochgezogen und machte keine Anstalten, sich zu verstecken. Die Bilder vom Abschlagspiel: sicherer Fang, laute Ansage, kein Zittern. Die U19 hat ihn für die Wochenendpartie bereits abgemeldet – ein klares Indiz.
Die Regelung ist eindeutig: Ein Spieler darf ab 16 in der Champions League eingesetzt werden, sofern das Jugendamt keine Bedenken anmeldet. Die Bayern haben die Erlaubnis laut Clubangaben „vorläufig vorliegen“. Das heißt: Könnte, aber muss nicht. Jannis Bärtl, 19, Zweit-Torhüter der Regionalliga-Elf, wartet als Plan C ebenfalls mit Handschuhen in Tasche.
Der Klub spielt die Sache herunter. „Wir gehen zunächst von Joni aus“, sagt Kompany nach der Einheit, „alles andere ist Notfall.“ Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Drei Torhüter ausgefallen, eine Gehirnerschütterung mit Kurzschlussreaktion und ein Rückspiel, in dem jeder Gegentreffer die K.O.-Gefahr erhöht. Da ist Vorsicht die bessere Taktik.
Prescotts Debüt wäre kein PR-Gag, sondern Notoperation. Er wäre der jüngste deutsche Schlussmann in der Königsklasse seit 1992, als Steffen Freund auflief – und der war Feldspieler. Die Atalanta-Scouts haben bereits Videos angefordert, seine Eltern haben Karten für Block 114. Sollte er stehen, wird die Südtribüne ihn mit dem Klang der Jugend empfangen: „Leonard, Leonard“ – ein Gesang, der sonst Schulhöfen vorbehalten ist.
Am Dienstagabend fällt die Entscheidung. Urbig absolviert dann einen Belastungstest mit Lichtreizen. Besteht er ihn, spielt er. Schafft er ihn nicht, trägt Prescott die Nummer 39, die ihm das Equipment-Team bereits mit Tesa-Klebeband über dem Vereinslogo geprägt hat. Die Bayern haben in der Krise gelernt: Ein Klub mit 33 Profis muss auch einen 16-Jährigen ernst nehmen, wenn das Schicksal pfeift.
Die ironie: Vor einem Jahr diskutierte der Vorstand, ob man die U19-Keepers überhaupt mit den Profis trainieren lässt – zu groß sei die körperliche Differenz. Nun ist genau dieser Junge die letzte Sicherung zwischen dem Vierteljahresziel Champions League und einem Frustjahr ohne internationalen Glamour. Der Sportschreibt die verrücktesten Drehbücher – und Mittwoch ab 21 Uhr könnte ein neues Kapitel beginnen, geschrieben von einem Schüler, der seine Hausaufgaben vor dem Spiel noch schnell in der Kabine erledigt.
