La7 zeigt franz von assisi neu – mit kardinal zuppi live

Mittwochabend, 4. März, läuft auf La7 etwas, das man so im italienischen Fernsehen selten sieht: kein Polit-Skandal, keine Talkshow-Schlammschlacht, sondern ein Theaterabend über einen Mann, der vor 800 Jahren starb und bis heute mehr Relevanz besitzt als die meisten Lebenden. Die Sendung heißt San Francesco: Il primo italiano – und sie ist, das sei gleich gesagt, alles andere als frommes Pflichtprogramm.

Ein theaterabend, der die basilika von assisi zur bühne macht

Das Stück stammt aus der Feder von Aldo Cazzullo, einem der profiliertesten Journalisten Italiens, und wird musikalisch von Angelo Branduardi begleitet – jenem Liedermacher, dessen Stimme und Laute schon immer etwas Mittelalterliches in sich trugen. Der Schauplatz ist nicht irgendeine Studiobühne, sondern die Basilika von Assisi selbst, umgeben von Giottos Fresken, direkt über dem Grab des Heiligen. Das ist keine Kulisse. Das ist ein Statement.

La7 hat die Kameras dorthin geschickt und bringt das Ergebnis nun exklusiv ins Fernsehen. In den großen Theatern Italiens ist die Produktion bereits seit Wochen ausverkauft. Wer also keinen Platz ergattert hat, bekommt heute Abend seine zweite Chance – auf dem Sofa, aber immerhin.

Zuppi, jovanotti und dacia maraini – drei perspektiven auf einen heiligen

Zuppi, jovanotti und dacia maraini – drei perspektiven auf einen heiligen

Was die Sendung vom bloßen Mitschnitt abhebt, sind die Gesprächspartner. Kardinal Matteo Maria Zuppi, Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz, gibt dem Abend sein theologisches Gewicht. Neben ihm sitzt Jovanotti, der Popstar, der über Franziskus wahrscheinlich anders spricht als jeder Kirchenmann. Und dann ist da noch Dacia Maraini, Schriftstellerin und eine der schärfsten kulturellen Stimmen Italiens – sie wird den historischen und literarischen Faden aufgreifen, denn Franziskus gilt nicht nur als Heiliger, sondern als einer der Väter der italienischen Sprache.

Drei Menschen, drei Zugänge. Das ist klug konzipiert. Cazzullo versucht nicht, einen Heiligen zu kanonisieren, sondern einen Menschen zu zeigen, der im 13. Jahrhundert etwas tat, das damals fast revolutionär wirkte: Er sprach die Sprache der Armen, wählte Armut als Lebensprinzip und stellte damit die Machtstrukturen seiner Zeit in Frage. Ob das heute noch funktioniert? Die Ausverkaufs-Zahlen der Theatertour sprechen eine klare Antwort.

Warum dieser abend mehr ist als kulturfernsehen

Warum dieser abend mehr ist als kulturfernsehen

Man könnte es abtun als gehobene Unterhaltung für ein älteres Publikum, das sich am Mittwochabend etwas Besinnliches gönnt. Aber das wäre zu kurz gedacht. Una Giornata Particolare hat in seiner vierten Staffel bewiesen, dass das Format politische Brisanz verträgt. Heute Abend wählt es einen anderen Weg – und gerade darin liegt die Provokation. In einer Zeit, in der Lautstärke und Empörung die öffentliche Debatte dominieren, setzt La7 auf Stille, Geschichte und Tiefe.

Franziskus von Assisi hat keine Armeen geführt, keine Schlachten gewonnen, kein Reich regiert. Und trotzdem erinnert sich die Welt an ihn. Das allein ist eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden – in der Basilika, mit Branduardis Musik, und heute Abend auch auf dem Bildschirm.