Kyrgios wettert wieder: matosevic-verteidigung und comeback auf rasen
Nick Kyrgios ist zurück – zumindest in den sozialen Netzwerken. Der Australier, der seit seinem Erstrunden-Aus in Brisbane (6. Januar) kein offizielles Match mehr bestritten hat, lässt die Feder wieder sprechen. Diesmal springt er Marinko Matosevic bei, der von der ITIA für vier Jahre gesperrt wurde, weil er zwischen 2018 und 2020 fünfmal gegen das Dopingregelwerk verstoßen hat.
Was den Aufruhr auslöste, war ein Tweet des US-Journalisten Ben Rothenberg. Er zählte nach: Matosevic ist in den vergangenen 16 Monaten der vierte Australian, der wegen Dopings sanktioniert wurde. Kyrgios konterte mit spitzer Ironie: „Klar, reden wir lieber über einen Spieler, der längst zurückgetreten ist … lächerlich.“ Die Botschaft: Versteckt euren Frust nicht hinter vermeintlich neutralen Statistiken, wenn der Betroffene kein aktives Mitglied auf der Tour mehr ist.
Stuttgart und mallorca markieren den rasen-re-start
Kurz nach dem Shitstorm-Intermezzo wechselte Kyrgios die Plattform und veröffentlichte auf Instagram sein Sommerprogramm. Erste Station: das ATP-250 von Stuttgart (8.–14. Juni), wo ihm die Wildcard sicher ist. Zieht er dort ohne Rückschlag, geht’s eine Woche später nach Mallorca (21.–27. Juni). Das Turnier auf den Balearen gilt traditionell als letzte Feinjustage vor Wimbledon – genau jenem Grand Slam, in dem Kyrgios 2022 das Finale gegen Novak Djokovic verlor und sein bisheriges Karriere-Hoch erreichte.
Die Frage bleibt: Wie viel Matchrhythmus steckt nach fünf Monaten Abstinenz in seinem Körper? In Brisbane war er nach 65 Minuten chancenlos gegen den damals noch unbekannten Aleksandar Kovacevic. Die Serve-and-Volley-Elemente, einst seine Visitenkarte, wirkten konzeptionslos, die Vorhand verrutschte ins Netz. Dennoch: Auf Rasen reduzieren sich die Rallyes, der Punktaufbau ist linear – ideale Bedingungen für einen Spieler, der sich mit explosiven Winnern kurz hält und den Rest mit Show veredelt.

Taktik statt tweets: was wirklich zählt
Kyrgios’ Team verlässt sich auf Daten. Sein Serve-Geschwindigkeitsdurchschnitt lag 2022 bei 208 km/h, die Second-Serve-Quote auf Rasen bei 63 %. Beide Werte dürften in Stuttgart erstmals wieder offiziell gemessen werden. Die physischen Fragezeichen sind größer: Eine Knie-Operation im Oktober 2023 wirft langfristige Schatten, das Rehab-Programm ist aufwendig. Dennoch: Wer ihn in den vergangenen Tagen bei Pickleball-Clips und Showmatches in Las Vegas sah, erkannte die alte Bewegungskultur – locker, aber nicht lustlos.
Die ATP zählt mit Fug und Recht auf ihn. Kyrgios ist TV-Garant, seine Matches generieren durchschnittlich 1,3 Mio. Zuschauer auf dem Hauptkanal – ein Wert, den selbst Top-10-Spieler selten knacken. Ob er diesen Sommer den Schläger für endlose Diskussionen oder für Siege schwingt, entscheidet sich zwischen 8. Juni und 14. Juli. Er selbst sagt: „Ich brauche keine Sympathie, ich brauche Punkte.“
Wenn die Wimbledon-Chance nach dem Rasen-Doppel in Stuttgart und Mallorca noch real ist, folgt vermutlich die nächste Twitter-Attacke – diesmal gegen die eigene Unkonstanz. Denn wer sich vier Jahre lang über Doping-Fälle echauffiert, darf sich nicht erlauben, mit leeren Händen auf Centre Court zu stehen. Die Uhr tickt. Die Wildcards sind verteilt. Jetzt muss der Ball fliegen – und nicht nur die Feder.
