Kwasniok bangt gegen dortmund – beim fc droht die schere

Lukas Kwasniok schläft schlecht. Seit Tagen kreist in Köln dieselbe Frage: Reicht eine Niederlage gegen Borussia Dortmund, um den Trainer zu feuern? Die Antwort liegt im Sportbüro, nicht im Geißbockheim. Dort herrscht Stille, aber keine Ruhe.

Die lage: zwei siege aus 15 spielen

Die Zahlen sind gnadenlos laut. 15 Bundesliga-Spiele, nur zwei Siege – das ist keine Phase mehr, das ist ein Sinkflug. Die Mannschaft liegt zwei Punkte über dem Strich, die Tribüne pfeift, der Vorstand schweigt. Intern heißt es: „Keine konkreten Pläne für einen Wechsel.“ Extern wissen alle, dass Pläne sich ändern, wenn der BVB das Müngersdorfer Stadion nach 90 Minuten verlässt und der FC wieder ohne Tor dasteht.

Die Verletztenliste liest sich wie ein Kaderverzeichnis: Sechs Leistungsträger fehlen, darunter Schmid, Hübers, Maina. Kwasniok rotiert trotzdem, weil er muss, aber jede Umstellung wirkt wie ein Beweis gegen ihn. Die Fans skandieren „Kwasni Yok“, ein Wortspiel, das klingt, als hätte man ihn schon abgeschrieben. Das sind nicht die üblichen Pfiffe, das ist organisierter Unmut.

Der Coach versucht, die Kritik als Medienprodukt zu entlarven. „Wenn ihr nichts zum Schreiben habt, schreibt über mich“, wettert er. Dabei vergisst er, dass das Fernsehbild vom 0:2 in Augsburg nicht von Journalisten produziert wurde, sondern von seiner Elf. Die Statistik lügt nie: 13 Gegentore in den letzten fünf Partien, nur drei Tore vorne. Wer so spielt, muss sich nicht wundern, dass die Schlagzeilen ihm gehören.

Die drohkulisse: vier punkte aus drei spielen?

Die drohkulisse: vier punkte aus drei spielen?

Die Rede von „vier Punkten bis zur Länderspause“ dementiert Kwasniok vehement. Dabei ist genau das die ungeschriebene Marschrichtung im Klub. Hinter den Kulissen rechnen Vorstände mit sechs Punkten aus den Duellen gegen Dortmund, HSV und Gladbach – sonst wird nachgesteuert. Die interne Bewertung: Der Kader ist zu gut für die 2. Liga. Wenn der Klassenerhalt gefährdet ist, kostet das jemanden den Job. In Köln heißt dieser Jemand jetzt Lukas Kwasniok.

Er selbst zieht Brighton heran, wo Fabian Hürzeler nach 13 sieglosen Spielen wieder aufdrehte. Der Vergleich hinkt: Brighton spielt Europa, nicht Abstiegsendspiele. Aber Kwasniok braucht ein Narrativ, und die engische Fußballromantik passt. „Die Kunst ist, ruhig weiterzuarbeiten“, sagt er. Doch wer zu laut von Ruhe spricht, verrät, dass sie nicht da ist.

Am Samstag um 18.30 Uhr wird die Wahrheit grün. Ein Sieg, und der FC springt auf Tabellenplatz 13, die Schlagzeilen schweigen, der Hahn auf dem Kirchturm kräht. Eine Niederlage, und die Schere im Büro öffnet sich. Dann spielt nicht nur der BVB in Köln – dann spielt auch der Vorstand mit dem Gedanken, den nächsten Trainer präsentieren zu müssen.

Kwasniok weiß, wo die Büros sind. Ob er sie kommende Woche noch freiwillig betritt, entscheidet sich gegen Dortmund. Mehr Druck geht nicht. Mehr Zeit gibt es nicht.