Kvaratskhelia: vom neapolitaner zum pariser ausnahmespieler – und balón d’or-kandidat?
Paris fiebert. Nicht nur wegen der Champions-League-Finals, sondern vor allem wegen Kvicha Kvaratskhelia. Der georgische Flügelflitzer hat im Duell gegen Bayern München einmal mehr seine außergewöhnliche Klasse demonstriert und den PSG einen entscheidenden Schritt näher an den zweiten CL-Titel in Folge gebracht. Aber wer ist dieser Spieler, der in kurzer Zeit von einem fast unbekannten Talent in Neapel zu einem der begehrtesten Fußballer Europas aufgestiegen ist?
Die maradona-vergleiche und die luis-enrique-revolution
Seine Ankunft im Parc des Princes war ein Poker von Luis Enrique, der für 80 Millionen Euro den jungen Kvaratskhelia aus Napoli lotste, um den Abgang von Mbappé zu kompensieren. In Neapel hatte der Georgier bereits Geschichte geschrieben, führte den SSC nach einer fast drei Jahrzehnte währenden Durststrecke zum Scudetto. Doch in Paris entfaltet er nun eine Leistung, die selbst die kühnsten Erwartungen übertrifft – eine „Kvaradona“-ähnliche Aura, wie sie ihm nun nachgetragen wird. Der Vergleich mit dem legendären Diego Maradona ist schmeichelhaft und wird von Enrique selbst mit einem Augenzwinkern aufgenommen: „Es ist ein sehr origineller Spitzname. Es ist immer schön, an Maradona und eine Stadt wie Neapel zu denken.“
Was macht Kvaratskhelia so besonders? Seine schier unendliche Energie, sein blitzschneller Antritt und seine unglaubliche Dribbelstärke machen ihn zu einem Albtraum für jeden Verteidiger. Gegen Bayern München zeigte er einmal mehr seine Vielseitigkeit: Er bereitete den wichtigen Treffer von Dembélé vor, erzielte selbst zwei Tore – mit einer Effizienz, die kaum zu übertreffen ist. Seine Wahrscheinlichkeit für die Tore lag bei nur 0,16 xG, ein Beweis für seine Kaltschnäuzigkeit und sein Spielverständnis.
Seine Statistiken sprechen für sich: Vier von sieben Dribblings erfolgreich, 12 progressive Pässe und 13 Sprints in 84 Minuten – ein Feuerwerk an Aktionen. Er ist der siebte schnellste Vorbereiter in dieser Champions-League-Saison, der sechste, der den Ball am weitesten vorantreibt, und der dritte, der am häufigsten Dribblings versucht. Doch nicht nur seine offensiven Qualitäten beeindrucken, sondern auch seine wachsende Defensivarbeit, die ihm Luis Enrique rigoros abverlangt.

Der weg zum „galáctico“
„Ich war schon in Neapel gut“, gesteht Kvaratskhelia, „aber mit Luis Enrique habe ich defensiv viel dazugelernt. Er hat mir viel abverlangt.“ Und es scheint zu funktionieren. Seine Leistung in München, wo er bereits im Finale der letzten Saison gegen Inter traf, war ein weiteres Pfund in seiner wachsenden Sammlung an Beweisen. Selbst der FC Bayern, der aktuell versucht, seinen Bruder unter Vertrag zu nehmen, konnte ihn nicht stoppen. Kompany versuchte es mit einer taktischen Umstellung, doch Kvaratskhelia ließ sich nicht beirren und bereitete den Treffer zum 0:1 vor.
Er ist der erste Spieler in der Geschichte der Champions League, der in sieben aufeinanderfolgenden K.O.-Spielen ein Tor erzielt oder eine Vorlage gab – eine Leistung, die seinesgleichen sucht. Seine Bilanz in den K.O.-Runden ist schlichtweg beeindruckend: Tore gegen Monaco, Chelsea (doppelt und eine Vorlage), Liverpool, und nun zwei Treffer gegen Bayern. Seine Vorlage für Dembélé im Hinspiel gegen Liverpool unterstreicht seine Fähigkeit, entscheidende Momente zu kreieren.
Die Zahlen lügen nicht: 10 seiner 16 Tore in dieser Champions-League-Saison fielen in K.O.-Spielen – ein Beweis für seine Nervenstärke und seine Fähigkeit, in entscheidenden Momenten zu glänzen. Und während andere Spieler vielleicht den Druck spüren, zeigt Kvaratskhelia eine beeindruckende Konstanz. Er ist das Paradebeispiel für das, was Luis Enrique unter einem „Galáctico“ versteht: „Im Angriff weißt du, dass du ein Gott bist. Aber am Tag, an dem du nicht mehr kannst, musst du der beste verteidigende Spieler der Geschichte sein. Das ist ein Anführer.“
Die Frage ist nun: Kann Kvaratskhelia diese Form in der anstehenden Finale gegen Arsenal bestätigen? Und wird er es schaffen, Mbappé im Rennen um den Balón d’Or abzulösen? Der Traum vom Titel und der individuellen Auszeichnung ist in Reichweite. Doch die fehlende Teilnahme an der Weltmeisterschaft könnte seine Chancen schmälern. Trotzdem hat sich Kvaratskhelia als einer der entscheidenden Spieler im europäischen Fußball etabliert. Sein Name wird in Erinnerung bleiben – nicht nur in Neapel und Paris, sondern in der Fußballgeschichte.
