Kuzmina zieht sich mit 37. platz in oslo zurück: „kein schönes ende“

Anastasiya Kuzmina verlässt die Bühne mit gesenktem Kopf. Die 41-jährige Slowakin, dreifache Olympiasiegerin und 20-jährige Weltcup-Reisende, postete am Sonntagabend ein Foto, das mehr sagt als Tausend Worte: Blick nach unten, Stöcke locker in der Hand, die Schultern eingeklappt wie ein Vogel, der nicht mehr fliegen will.

„Das ist das Ende der Saison 25/26. Kein schönes Ende“, schrieb sie auf Instagram. Kein Hashtag, kein Emoticon – nur ein Satz, der klingt, als hätte sie ihn laut ausgesprochen und dann die Luft angehalten. Die Zahlen bestätigen die Stimmung: Platz 37 im Sprint, Rang 49 in der Verfolgung, Gesamtweltcup-Position 65. Zwei Top-20-Platzierungen in einer Saison, dafür 98. im IBU-Cup. Statistiken, die selbst ihren treuesten Fans die Daumen lahm werden lassen.

Die comeback-queen von 2023 schlägt erneut den rückzug vor

Bereits 2019 hatte Kuzmina ihren Abschied verkündet, doch 2023 kehrte sie zurück – alter Ruhm, neue Schuhe, gleiche Unnachgiebigkeit. Jetzt, zwei Jahre später, klingt der Abschied endgültiger. Die Bahn in Oslo, wo sie einst jubelte, wurde zur Kulisse eines Schweigemarsches. Wer ihre Karriere verfolgte, kennt das Muster: Erst kommt das Feuer, dann die Asche. Doch diesmal wirft die Asche keinen Funken mehr.

Die Slowakin prägte eine Ära. Gold in Vancouver 2010, Gold in Sotschi 2014, Gold im Massenstart von Pyeongchang 2018 – jedes Mal im Sprint, jedes Mal mit dem Lächeln einer Frau, die sich in der Schießzone keine Sekunde Selbstzweifel erlaubte. 288 Weltcupstarts, drei Kristallkugeln für die Sprintwertung, ein Vermögen an Podestplätzen. Doch Statistiken verblassen, wenn die Knie nicht mehr horchen und die Herzfrequenz irgendwann nur noch ein Echo ist.

Die stille nach dem schuss

Die stille nach dem schuss

Kuzminas letzte Saison war ein Lehrstück über die Härte des Profisports. Zwischen Weltcupeinsätzen und IBU-Cup-Rennen pendelte sie wie eine Touristin durch ihre eigene Vergangenheit. Die Zeiten, als sie das Feld nach dem ersten Schießen spaltete, sind vorbei. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Selbst Legenden müssen irgendwann die Ski ins Schnee stellen und die Stöcke in den Schrank hängen.

Die Biathlon-Welt verliert eine der letzten echten Dauerbrennerinnen. Wer jetzt auf die Tribüne schaut, wird dort keine Kuzmina mehr finden, die nach einem Fehlschuss die Zähne fletscht und im nächsten Anschlag die Revanche startet. Stattdessen bleibt ein Foto im Instagram-Feed: Gesicht im Schatten, Hände verschränkt, die Blicke der Fans bereits auf der nächsten Generation.

Kein Paukenschlag, kein Medienrummel – nur ein leiser Rücktritt, wie er zu der Frau passt, die immer lauter auf der Loipe als im Interview war. Die Saison 25/26 ist vorbei. Für Kuzmina könnte das bedeuten: Die Zeit der Sekundenstopps ist endgültig abgelaufen.