Kristallkugel-finale in kontiolahti: jeanmonnot jagt die letzte krone

Die Luft ist raus aus Peking, der Pulverdampf knallt wieder durch Karelien. In Kontiolahti fällt heute um 17.05 Uhr der Startschuss für den Endspurt des Biathlon-Winter: 15 Kilometer Einzel, letzte Chance, kleine Kristallkugel zu ergattern. Wer jetzt zielt, muss treffen – und das mitten in die Frage, ob Lou Jeanmonnot sich mit 27 Jahren endgültig in die französische Elite-Galerie schießt.

Die französin führt – aber die verfolger wittern morgenluft

130 Punkte stehen für Jeanmonnot in der Disziplinen-Wertung, ein Polster, das bei einem guten Schießen reichen sollte. Doch dahin lauert Justine Braisaz-Bouchet, Olympiasiegerin, aber zuletzt in Antholz so weit weg von sich selbst, dass selbst ihre Skischuhe nach dem Ziel Fragen stellten. Dorothea Wierer? Die Italienerin hat ihre Ski bereits an den Nagel gehängt, ihre 110 Zähler bleiben stehen – ein posthumer Schatten, der Jeanmonnots Rechnung nicht mehr stört.

Die deutsche Flotte rudert ohne Franziska Preuß, die seit dieser Woche Mikrofon statt Gewehr schwingt. Fünf Läuferinnen sollen die Lücke stopfen: Grotian, Voigt, Tannheimer, Hettich-Walz, Fichtner. Julia Tannheimer gibt sich realistisch: „Die absolute Weltspitze ist ein Stück entfernt.“ Dennoch: Wer in Kontiolahti trifft, kann sich verschnellern. Die Loipe ist schnell, der Wind launisch – ideale Bedingungen für eine Außenseiter-Attacke.

Deutsche bilanz ohne aushängeschild – und mit offenem ende

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Ohne Preuß fehlt nicht nur Erfahrung, sondern auch die mentale Klammer. Die junge Garde muss nun zeigen, dass der Nachwuchs mehr ist als ein Etikett. Tannheimer war in Ruhpolding Fünfte, Grotian holte in Oberhof Bronze – Potential vorhanden, Konstanz fehlte. Kontiolahti wird zum Test: Wer hier mithält, darf im Sommer mit der Nationalmannschaftsplanung mithalten.

Die Uhr tickt. Nach diesem Wochenende folgen noch Antholz-Antholz-Antholz, dann ist Saison. Die Athleten wissen: Jeder Fehlkugel kann einen Winter versenken, jede saubere Serie einen Karriere-Sprung einleiten. Wer heute seine Nerven im Griff hat, trägt morgen die Kugel nach Hause – und vielleicht auch ein kleines Stück Geschichte.

Das ZDF zeigt die Jagd ab 16.50 Uhr live und kostenlos, parallel flimmert Eurosport. Der Stream läuft in der ZDF-Mediathek und auf zdfsport.de. Wer den Ticker lieber spüren will, findet ihn auf Sport BILD.de. Die Waffe ist geladen, die Scheiben stehen – jetzt zählt nur noch das Klicken der Schüsse und das Knistern von Eisstaub unter den Stahlkanten.