Kreuzband-beben bei werder: topp aus, hoffnung kleiner

Keine neun Sekunden. So lange brauchte Keke Topp, um sich das vordere Kreuzband im linken Knie zu zerreißen. Ein unglücklicher Zweikampf im Testspiel gegen die eigene U23, ein unschönes Knacken, und schon steht der 1,94-Meter-Stürmer auf der Bremse.

Die rechnung ist gnadenlos

Die MRT-Röhre lügt nicht: Sehnenfaser für Sehnenfaser zerrissen, Saison vorbei, WM-Traumeis zerschlissen. Der 21-Jährige, erst im Winter von Schalke zurückgeholt, um die Offensive zu entlasten, muss nun selbst getragen werden – auf Krücken, durch die Reha-Klinik, durch monateleere Kabine. Die Grün-Weißen zählen bereits zehn Ausfälle, und der Engpass wird zum Gähnen.

Peter Niemeyer, Leiter Profifußball, spricht von „einer bitteren Nachricht für uns alle“. Das klingt nach Standard, doch im Trainingslager kursiert ein anderer Satz: „Wenn Keke fällt, fehlt uns der letzte Knüppel.“ Denn Topp war nicht nur Joker, sondern auch Bollwerk. Breite statt Tiefe – das war das Motto. Jetzt droht Bremen, in der Endphase der Bundesliga wie einst im Pokal gegen Osnabrück, die Puste auszugehen.

Die folgen reichen bis zum sommer

Die folgen reichen bis zum sommer

Trainer Ole Werner muss gegen Freiburg und Augsburg auf zwei Spitzen verzichten: Weiser und Ducksch sind angeschlagen, Füllkrug-Backup Agu bereits länger raus. Die Lösung? Ein Blick auf die U21, ein Blick auf den Scouting-Bereich. Doch interne Statistiken zeigen: Werder holt im April keine Neuzugänge mehr, weil die Kasse nach der Investor-Einlage von vier Millionen Euro trotzdem knarzt. Die Lizenz ist sicher, die sportliche Zukunft nicht.

Topp selbst schickte von der Untersuchungsliege aus eine Sprachnachricht in die Gruppe: „Jungs, holt die Punkte für mich.“ Emotionen sind Teil des Spiels, aber sie ersetzen keine Tore. Bremen hat acht Spiele, um die Abstiegszone zu meiden – ohne ihren Riesen, der in 13 Einsätzen zwei Mal traf und den Gegnern die Luft abschnitt.

Die medizinische Abteilung rechnet mit sieben Monaten Pause. Die sportliche mit noch mehr. Denn wenn die Saison vorbei ist, beginnt die nächste Planung: Soll Topp wieder hochgerüstet werden, oder holt Werder einen erfahrenen Backup? Die Antwort liegt in der Gewebekultur seines Kniegelenks – und in der Tabelle. Denn Punkte sind das beste Schmerzmittel.