Xhaka und yakin schrauben anspruch auf „beste wm aller zeiten“ – vor prestige-kracher gegen deutschland

34.316 Zuschauer im St. Jakob-Park, ein deutscher Gastro-Star-Quartett in der gegnerischen Kabine und ein Granit Xhaka, der sich kein Testspiel nennen lässt: Die Schweiz treibt ihre Mission „Historisches“ vor der Heim-Kulisse von Basel auf die Spitze.

Murat Yakin trat vor die Medien und setzte die Messlatte auf eine Höhe, die selbst er selbst noch nie überboten hat: „Wir wollen die beste WM aller Zeiten spielen.“ Kein Wenn und Aber, kein „wenn alles passt“. Einfach ein Anspruch, der jeden Satz des bisherigen Qualifikationsmärchens überlagert. Dahinter steckt ein Kader, der in Monaco, Leverkusen und London gelernt hat, dass man Spitzenklubs nicht nur bespielen, sondern auch auskontern kann.

Neue rolle für denis zakaria: mittelfeldspieler als innenverteidiger

Yakin bestätigte, dass Denis Zakaria in der Dreierkette startet – nicht als Sechser, sondern als Libero mit Ballverteilung. Der 27-Jährige soll neue Stabilität und Pass-Sicherheit aus der Tiefe bringen und so zwischen 3-4-2-1 und 4-2-3-1 umschalten. Eine Lösung, die speziell gegen deutsche Positions-Schachspieler wie Kroos und Musiala Sinn macht.

Die Idee ist nicht neu – aber das Timing ist es. Zakaria führt Monaco als Captain, liest Spiele, bevor sie entstehen, und bringt die Laufstärke eines Box-to-Box-Spielers in die Zone, in der sonst nur Abwehrbollwerke stehen. Yakin: „Ich traue ihm diese Position zu, weil er denkt, bevor er tackelt.“

Xhaka nach achillessehnen-zwangspause: „das größere bild gesehen“

Xhaka nach achillessehnen-zwangspause: „das größere bild gesehen“

Granit Xhaka musste im Januar vier Wochen pausieren – seine erste muskuläre Blessur überhaupt. Für jemanden, der in Leverkusen bislang 2.880 von 2.880 möglichen Minuten gespielt hat, eine Ewigkeit. „Ich bin Vollblut-Fußballer, Stillstand macht mich wahnsinnig“, sagt er. Die Zwangspause habe ihm aber die Perspektive geliefert, die er sonst nie einlegt: „Wenn man verletzt ist, sieht man das größere Bild.“

Heute steht er wieder auf dem Platz, auf dem er einst seine ersten Schritte als Fussball-Verrückter machte – im Stadion, das ihn zum Kind von Basel machte. Mit 31 Jahren fühlt er sich fitter als mit 25, sagt er. Und er weiß: Die Statistik spricht für ihn. In vier Duellen mit Deutschland blieb er ungeschlagen, 2012 sogar Teil des 5:3-Knallers.

Deutschland-favorit? „respekt ja, demütigung nein“

Deutschland-favorit? „respekt ja, demütigung nein“

Trotz der Sieg-Serie weigert sich Xhaka, den Favoritenstempel abzukratzen. „Favorit sind wir definitiv nicht. Deutschland ist eine Turniermannschaft, sie stehen immer am Ende vorn.“ Aber: Wer die Nati in den letzten Monaten gesehen hat, weiß, dass die Ruhe im Lager kein Lippenbekenntnis ist. Es ist der Lohn von 14 Spielen ohne Niederlage und einem Kader, der sich nicht mehr fragt, ob er mitspielen darf, sondern wie er gewinnt.

Die Partie ist auch ein Duell der Systeme: Nagelsmanns hohes Pressing gegen Yakins flexible Umschalt-Maschine. Und ein Duell der Captains: Xhaka gegen Kroos – zwei Spieler, die dieselbe Position spielen, aber unterschiedliche Kontinente der Spielkultur repräsentieren. Kroos ist Perfektion in Zeitlupe, Xhaka ist Impuls in Echtzeit.

Kick-off 20.45 Uhr, Karten restlos weg, die Nation brennt. Die Schweiz will nicht nur gewinnen. Sie will den nächsten Schritt auf dem Weg zur besten WM ihrer Geschichte machen – und Deutschland ist nur das erste Ventil. Yakin lächelte nach der Pressekonferenz und sagte leise: „Wenn wir morgen nicht an unsere Grenzen gehen, wann dann?“ Die Antwort folgt im St. Jakob-Park – und sie wird laut.