Malinin pulverisiert olympia-frust mit weltrekord – gold-hattrick nur noch formsache
111,29 Punkte. Die Zahl steht wie ein Schlag ins Gesicht jener, die Ilia Malinin nach seinem Milan-Blackout auf dem Abstellgleis wähnen wollten. Mit dieser Bestmarke jagt der 21-jährige US-Amerikaner im Prager O2-Universum nicht nur die Konkurrenz in die Schranken, sondern schickt der Eiskunstlauf-Welt eine Botschaft: Der „Quad-Gott“ ist zurück – nüchtern, rasiert und rastlos.
Die neue kür zündet schon im kurzprogramm
Kein Vierfach-Axel in der ersten Kombination, dafür zwei saubere Quads hintereinander, ein Rückwärtssalto, der die Eissplitter aufstehen lässt, und eine Ausstrahlung, als habe er die letzten 42 Tage nur mit Videostudium und Zorn verbracht. „Ich wollte dem Brett keinen Millimeter gönnen“, sagte er hinterher, das Mikro kaum berührend. Die Arena tobte, die Judges auch.
Die Konkurrenz schaut alt aus. Adam Siao Him Fa liegt 9,44 Punkte zurück, Alexander Selevko hat sich mit 96,49 schon mehrmals verbeugt, und Yuma Kagiyama taumelt nach einem Sturz auf Rang sechs – das Olympia-Silber von Turin schon wieder nur Makulatur. Der eigentliche Rivale, Mikhail Shaidorov, fehlt komplett. Der Kasache verzichtet auf Prag, um seine Hüfte vor der neuen Saison zu schonen. Für Malinin ein Geschenk, für die Show ein Problem.

Deutscher newcomer rettet sich mit risiko
Genrikh Gartung musste zwei Vierfachsprünge riskieren, um die Kür zu erreichen. Mit 73,20 Punkten rutscht der 18-jährige Sachse als Letzter ins Finale – und ist trotzdem der strahlendste Deutsche. „Zwei Quads im Kurzprogramm, das war mein kleiner Weltcup“, sagt er, während er die Kufen trocken wischt. Die große Bühne habe ihn diesmal weniger nervös gemacht als die EM. „Ende der Saison, dann kann man alles raushauen.“
Am Sonntag folgt die Kür. Malinins Vorsprung ist so komfortabel, dass selbst ein halbwegs sauberer Freitag ihn zum ersten Hattrick seit Scott Hamilton 1984 machen würde. Die Frage ist nicht mehr, ob er gewinnt, sondern wie viele Quad-Sprünge er noch dazupackt, um die 200-Punkte-Marke zu knacken. Die Arena ist verkauft, die ISU schon jetzt in Jubelmodus, und die Konkurrenten wissen: Sie jagen einen Gespensterzug, der immer schneller wird.
