Kreuzband-alarm bei borussia dortmund: emre can droht aus bis saisonende

Der BVB verliert seinen Kapitän in der heißen Phase der Saison. Emre Can hat sich im Topspiel gegenBayern München das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Fällt Monate. Verlässt er den Klub im Sommer als Verletzter?

Die szene, nach der nichts mehr war

Can hatte in der 36. Minute gegen Harry Lewandowski – äh, Harry Kane – das Beil eingelegt, sich durchgebissen, konnte aber kaum noch laufen. Er winkte trotzdem ab, bis er in der 43. Minute doch hinkend vom Feld musste. Ramy Bensebaini rückte nach. Im Mixed-Zone-Gang schlurfte Can hinterher, das Knie in eine Schiene gepresst, die Krücken unter den Achseln. Niko Kovac hatte schon vor der Halbzeitpause „einen üblen Verdacht“ geäußert. Die MRT-Bilder bestätigen nun: Band gerissen, Saison vorbei.

Die Zahlen sind gnadenlos: 28 Pflichtspieleinsätze in dieser Spielzeit, 2.400 Minuten auf dem Platz, 84 % Zweikampfquote – und nun null Prozent Chance, vor der Sommerpause zurückzukehren. Der 32-Jährige wird mindestens sechs Monate ausfallen, eher sieben. Wer schon einmal ein Kreuzband gespürt hat, weiß: Danach ist nichts mehr wie zuvor.

Vertrag im sand, verein vor der zerreißprobe

Vertrag im sand, verein vor der zerreißprobe

Cans Kontrakt läuft am 30. Juni aus. Keine Klausel, keine Option, kein Netz. Der BVB muss bis dahin entscheiden: Verlängern wir trotz Knie-GAU oder verabschieden wir uns in Raten? Sportdirektor Sebastian Kehl spricht von „extremer Bitterkeit“ und verspricht „jede Unterstützung“. Intern wissen die Verantwortlichen: Ein neues Angebot wird nur auf Tabledance-Basis kommen – reduziertes Gehalt, Leistungsprämien, kurze Laufzeit. Can aber hatte sich in den letzten Monaten ein Upgrade erhofft. Das Thema lag auf dem Tisch, jetzt liegt Can auf der Trage.

Die Personalie zieht Kreise. Ohne Can fehlt der aggressive Leader in der Abwehr, ohne den Rechtsfuß fehlt die erste Anspielstation beim Aufbau. Salih Özcan und Felix Nmecha müssen nun liefern, sonst rutscht der BVB in die Quali-Zone der Champions League. Die Saisonziele stehen auf dem Prüfstand, der Kader bekommt ein Loch, das nicht mit einem Sommer-Transfer zu stopfen ist.

Für Can persönlich ist der Schlag noch härter. Nach seiner Positionsumstellung ins Zentrum der Viererkette galt er als Kovac-Liebling, als Ruhepol mit Emotions-Versicherung. Jetzt droht ihm der freie Fall: keine WM, kein Europa-League-Finale, vielleicht nicht mal ein Abschiedsspiel im schwarz-gelben Trikot.

Die Fans reagieren gespalten. Die einen fordern „Vertrag trotz allem“, die anderen mahnen: „Nie wieder einen 33-Jährigen mit Knie-History auf hohem Niveau einstellen.“ Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Menschlichkeit und Ökonomie. Der BVB wird rechnen, Can wird kämpfen. Wer sich einmal mit Kreuzband und Karriereende beschäftigt hat, kennt die Gedanken, die um 3 Uhr morgens kommen.

Am Samstag gegen Bayern war es seine 150. Partie für Dortmund. Vielleicht war es auch die letzte. Die medizinische Abteilung hat den Zeitrahl bereits aufgemacht, der Termin für die Operation steht. Danach beginnt der längste Marathon seiner Laufbahn – mit offenem Ende und unterschriebenem Vertrag nur in der Hand seiner Ärzte.