Mourinho wirft prestianni raus: rassismus-vorwurf erschüttert benfica

José Mourinho hat die rote Linie gezogen. Sollten die UEFA-Ermittlungen gegen Gianluca Prestianni erhärten, was der Brasilianer Vinicius Junior anhängigt, ist der 19-jährige Argentinier bei Benfica Geschichte. »Dann ist seine Karriere unter einem Trainer namens Mourinho und in einem Verein wie Benfica zu Ende«, sagte der Portugiese gestern auf der Pressekonferenz vor dem Clásico gegen Sporting.

Der vorfall, der lissabon erzittern lässt

Alles begann in der 78. Minute des Champions-League-Playoff-Hinspiels gegen Real Madrid. Vinicius Junior trifft zum 2:1, renkt sich beim Jubel die Schultern aus – und bekommt von Prestianni an der Mittellinie offenbar eine rassistische Beleidigung mitgeliefert. TV-Bilder zeigen, wie sich der Benfica-Flop das Trikot vors Gesicht zieht, die Lippen bewegen. Referee Michael Oliver schreibt den Vorfall sofort ins Protokoll, die UEFA leitet binnen 24 Stunden ein Disziplinarverfahren ein.

Die vorläufige Sperre für das Rückspiel in Madrid war nur der Auftakt. Benficas Einspruch landete gestern im Papierkorb, Prestianni muss – sofern die Beweislast steigt – mit einem Monat Sperre und anschließender Bewährung rechnen. Mourinho reagiert ungewöhnlich schnell: »Ich hasse Vorurteile. Punkt. Ich brauche keine Zeit, mir Videos zwanzig Mal anzusehen.«

Was prestianni mourinho kostet

Was prestianni mourinho kostet

Für den Coach ist der Fall mehr als ein PR-Problem. Prestianni galt als langfristige Alternative zu Ángel Di María auf der rechten Außenbahn, der Klub hatte 13 Millionen Euro Ablöse an Vélez Sarsfield überwiesen. Dreimal kam der Junge seit Januar unter Mourinho, dreimal blieb seine Fußspur unsichtbar. Jetzt droht ein Totalverlust.

Intern herrscht Streit. Teile der Führungsetage wollen Prestiannis Vertrag (läuft bis 2028) vorsorglich auflösen, andere fürchten Imageschaden und Millionenklagen. Die Spielergewerkschaft FIFPro hat bereits Beratungsangebote unterbreitet. Mourinho aber setzt auf Prävention: »Wir werden alle Nachwuchskräfte verpflichten, an Anti-Diskriminierungs-Schulungen teilzunehmen – sonst gibt’s keinen Profivertrag.«

Derweil laufen die Vorbereitungen für das Rückspiel in Madrid auf Hochtouren. Ohne Prestianni, aber mit neuer Härte: Mourinho ließ gestern ein zusätzliches Abwehrtraining einstudieren, um Vinicius Junior die Räume zu nehmen. Die Fans diskutieren auf Social Media hitzig, ob der Trainer mit seiner Null-Toleranz-Politik das Klima im Verein verschärft oder langfristig säubert.

Fakt ist: Prestianni dürfte am Mittwoch nicht im Estadio da Luz sitzen, geschweige denn mitreisen. Sein Platz im Flieger nach Madrid bleibt leer, sein Name steht auf der schwarzen Liste. Mourinho hat gesprochen – und Lissabon verabschiedet sich von einem Talent, das sich selbst die Zukunft verbaut hat.