Kreislauf-stillstand auf dem rasen: tus-profi rettet fan das leben

72. Minute, 1:2-Rückstand, plötzlich brüllt der TuS-Mittelfeldspieler Jonas Hofmann nicht nach Foul, sondern nach Hilfe. Ein 67-jähriger Zuschauer kollabiert auf Tribüne eins, Herzstillstand. Hofmann sprintet, kniet, drückt – 100 Mal pro Minute, exakt wie im Vereins-Sanitäts-Training. Zehn Minuten später rollt der RTW, der Mann atmet wieder. Das Spiel? Nur noch Nebengeräusch.

Der spieler wurde zum defibrillator-ersatz

Der Defi lag im Klubhaus, 200 Meter Asphalt. Zu weit. Hofmanns Hände waren schneller. „Ich habe nur gedacht: Atmung prüfen, Herzdruckmassage, Beatmung, dann wieder von vorne“, sagt er, noch mit Grasflecken auf den Knien. Eine Krankenschwester aus dem Block übernahm die Mund-zu-Mund-Beatmung, ein Stadion-Dolmetscher koordinierte die 112-Notruf-Abfrage. Zwei Elektro-Schocks, dann greift das Myokard wieder. Die Gäste-Fans applaudieren, die Heimmannschaft weint.

Luis Kersthold, Ersatzbank, erinnert sich an die Stille. „Kein Gaffer, kein Handy-Gezack, nur das Knirschen von Hofmanns Stollen auf dem Beton, als er zurücklief.“ Der Schiedsrichter pfeift die Partie fort, weil der Notarzt grünes Licht gibt. Sportliche Logik: Wer taumelt, wird ausgewechselt – außer es geht ums Überleben.

Die tabelle zählt plötzlich nicht

Die tabelle zählt plötzlich nicht

Marienborn kassiert das 1:2, die Serie von acht Spielen ohne Niederlage reißt. Keiner schimpft. Kapitän Timon Berger ballert die Kabinen-Tür zu, damit die Presse nicht sieht, wie Tränen laufen. „Wir haben verloren, aber ein Herz wieder gewonnen“, sagt er, bevor er zum Fan ins Krankenhaus fährt. Der 67-Jährige liegt auf der Intensivstation, stabil, soll nächste Woche den Kapitän treffen – und Hofmanns gerettetes Trikot signieren.

Der Südwestdeutsche Fußball-Verband kündigt an, allen Amateurkluben bis September kostenlose AED-Geräte zu spenden. Die Kosten? 250 000 Euro. Die Begründung: „Ein Spieler hat gezeigt, dass der wichtigste Schutzwall nicht die Abwehr, sondern beherzte Hände sind.“