Krefelds pinguieneuphorie stockt: meister zittern um del-lizenz
5:2 in Kassel, 4:0 in der Serie – die Krefeld Pinguine sind Meister der DEL2 und haben sich sportlich die Aufstiegsurkunde geholt. Doch während die Spieler auf dem Eis noch mit dem Pokol schunkelten, schob sich im Hintergrund die nächste Zitterpartie: Die Lizenz für die DEL ist noch lange nicht sicher.
Popieschs truppe liefert, kasse zittert
Thomas Popiesch, sonst eher ein Mann der nüchternen Zahlen, ließ sich nach der Schlusssirene ein bisschen aus dem Konzept bringen. „Die Jungs haben eine Saison auf dem Level gebrannt, dass mir als Trainer die Worte fehlen“, sagte er, die Stimme heiser vom Dauerbrüllen. Dabei hatte der ehemalige Bremerhavener Erfolgscoach genau gewusst, dass sein Team in Kassel früher oder später die Schleusen öffnet. Nach dem 0:1-Anschlusstreffer drehten die Rheinländer in der zweiten Drittelpause auf, schossen binnen 97 Sekunden zweimal und schickten 2.500 mitgereiste Fans in Ekstase.
Der dritte Titel nach 1952 und 2003 schien nur Formsache. Letztlich fiel das 5:2, Krefelds viertes Finalsieg in Serie – ein Sweep, der im deutschen Eishockey selten ist. Doch die Euphorie hält sich in Grenzen.

1,4 Millionen euro liegen zwischen traum und albtraum
Die magische Zahl heißt 1,4 Millionen Euro. So viel muss der Verein bis spätestens Anfang Juni als Sicherheitsleistung bei der DEL hinterlegen, will er 2026/27 unter den Top-16 mitmischen. Pinguine-Hauptgesellschafter Peer Schopp hatte vor zwei Wochen die Wahrscheinlichkeit auf „60:40“ taxiert. Seitdem ist viel telefoniert, viel geredet, aber noch nichts unterschrieben. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, murmelte Schopp nach dem Spiel, während er einen Champagnerfleck auf seinem Hemd betrachtete. Klingt nach Optimismus, ist aber auch ein Euphemismus für: Wir haben noch nicht alle Unterlagen zusammen.
Die Stadt Krefeld signalisierte Hilfsbereitschaft, Sponsoren sollen springen, doch die Uhr tickt. Verpasst der Klub die Deadline, rutscht die Wildcard an den Ligarivalen aus Bietigheim oder gar an die Fischtown Pinguins – ein Déjà-vu für Krefeld, das 2019 schon einmal den sportlichen Aufstieg verpasste, weil die Kasse leer war.

Die spieler feiern, der vorstand rechnet
Kapitän Daniel Pietta stand noch mit nassen Haaren im Mixed-Zone-Licht, als ihn die Frage erreichte, ob er schon einen DEL-Spielplan 2026 studiert habe. „Wir haben heute getrunken, nicht gerechnet“, lachte er, dann wurde sein Blick doch ernster. „Jeder in der Kabine weiß: Ohne Lizenz bleibt der sportliche Aufstieg ein Trostpokal.“
Die nächsten Tage entscheiden, ob die Pinguine tatsächlich zurückkehren in die Liga, die sie 2020 vor die Tür setzte. Vier Jahre später präsentieren sie sich sportlich gereift, finanziell aber noch immer angreifbar. Die Meisterparty dauert noch an – doch hinter der Bar kalkuliert bereits der Vorstand, wie viele Kisten Sekt er noch verkaufen muss, um die Lizenz zu finanzieren. Die Serie war das leichteste Stück des Jahres. Jetzt kommt die Overtime ums nackte Überleben.
