Krefeld schreibt eishockey-märchen – doch die 1,4-millionen-frage blockiert den del-traum
Krefeld ist zurück. Nach 1.461 Tagen in der DEL2 haben die Pinguine das vierte Finale in Kassel mit 5:2 geknackt, die Serie 4:0 gemacht und sich sportlich den Aufstieg erkämpft. Die Huskies? Machtlos. Der Jubel auf dem Eis? Riesig. Die Realität? Eiskalt.
Thomas popiesch lässt keine zweifel – seine truppe hat alles abgerissen
Der Coach, einst in Bremerhaven als Retter gefeiert, hat aus einer jungen, vermeintlich talentarmen Truppe eine Abrissbirne geformt. Drittes Drittel, 43. Minute: Krefeld dreht innerhalb von 127 Sekunden einen 2:2-Stand in eine 5:2-Führung. Kassels Coach packt die Trainer-Herausforderung aus, verzweifelt. Die 3.000 mitgereisten Fans singen „Olé, olé, olé – wir fahr’n nach Berlin!“ – gemeint ist die DEL.
Doch zwischen Triumph und Bundesliga klafft eine Lücke von 1,4 Millionen Euro. Genau das Lizenzkapital, das bis 15. Juni hinterlegt sein muss. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagt Hauptgesellschafter Peer Schopp und spricht von „60:40“. Klingt nach Pokern, ist es auch. Denn die Unterlagen für den Aufstieg lagen schon länger im Büro der Liga, nur die Bankbürgschaft fehlt.

Die stadt schwingt sich auf, sponsoren melden sich – aber reicht das?
Am Montagmorgen hat die Geschäftsstelle schon 47 neue Anfragen von Unternehmen auf dem Schreibtisch. Die Telefone glühen. Der Bürgermeister kündigt eine Krisensitzung an. Alles schön und gut, doch die Zeit läuft. In zehn Tagen muss die erste Rate fließen, sonst rutscht Krefeld automatisch raus und Dresden rutscht nach. Die Liga hätte gern den traditionsreichen Club zurück, aber sie wird nicht warten.
Die Spieler feiern trotzdem. Kapitän Daniel Pietta stellt sich nackt ans Mikro – im wahrsten Sinne, denn das Trikot ist im Block versenkt – und brüllt: „Wir haben bewiesen, dass wir auf dem Eis zur Elite gehören. Jetzt müssen andere beweisen, dass wir auch dazugehören dürfen.“ Der Center weiß: Die sportliche Leistung zählt momentan nur in der Tabellen-Spalte „Punkte“, nicht auf dem Konto.
Die Fans jedenfalls wollen keine Tränen mehr sehen. Vier Jahre zweite Liga reichten. Sie haben 6.000 Dauerkarten schon für die DEL reserviert – völlig unabhängig davon, ob sie jemals zahlen müssen. Das ist Vertrauen. Oder Verzweiflung.
Am Freitag will Schopp die finale Entscheidung verkünden. Bis dahin sammelt der Club Spenden, verkauft Limitierungen, wirbt um Investoren. Die Summe ist klar: 1.400.000 Euro. Die Uhr tickt. Und die Pinguine? Die warten am Hafen, ob sie endlich wieder auf Eis der obersten Klasse dürfen. Es wäre das größte Comeback des deutschen Eishockey-Jahres – vorausgesetzt, das Geld kommt pünktlich zum Training.
