Krankheitspech und ein 22-jähriger wildcard-joker: dsv-team ohne preuß und strelow nach finnland
Das deutsche Biathlon-Team reist mit zwei Ausfällen und einem Debütanten zum Weltcup nach Kontiolahti. Franziska Preuß fehlt erstmals seit ihrem Rücktritt, Anna Weidel ist erkrankt. Doch im Chaos steckt auch eine Chance.
Preuß-lücke und ein gebrochener finger
Die Nachricht kam kaum überraschend, traf den Deutschen Skiverband dennoch hart: Franziska Preuß wird auch in Finnland nicht dabei sein. Die 29-Jährige hatte nach den enttäuschenden Spielen von Antholz ihren Abschied eingeläutet. Ihre Stimme fehlt im Bus, ihre Erfahrung auf der Strecke. Gleiches gilt für Anna Weidel, die mit Fieber im Bett liegt. Bei den Männern hält sich die Pechserie: Justus Strelow rutschte im Training aus, der Mittelfinger rechts ist gebrochen. Saisonaus.
Die Konsequenz ist radikal. Bundestrainer Felix Bitterling nominierte Leonhard Pfund. Der 22-Jährige aus Berchtesgaden war vor zwei Monaten in Nove Mesto noch ein unbeschriebenes Blatt. Dort lieferte er mit Marlene Fichtner im Single-Mixed denkwürdig auf, wurde nachträglich wegen einer zu frühen Wechselzone aber disqualifiziert. Die Leistung blieb im Kopf. „Er hat den Sprung verdient“, sagt Bitterling, „aber wir werden ihm Zeit geben. Keiner wird über Nacht zu Preuß.“

Janina hettich-walz übernimmt kommando
Die Führungsrolle bei den Frauen fällt nun an Janina Hettich-Walz. In Antholz schoss sie sauber, aber zu langsam. Platz sieben in der Verfolgung war ihre beste Olympia-Platzierung. „Ich habe keine Medaille, aber ich habe Selbstvertrauen“, sagt sie. Mit dabei sind Vanessa Voigt, Selina Grotian, Julia Tannheimer und die überraschend starke Marlene Fichtner, die sich in der vergangenen Saison vom Nachwuchsteam in die Weltspitze schoss.
Die Männer um Lucas Fratzscher und Philipp Nawrath müssen ohne Strelows Sprintpower auskommen. Philipp Horn reist mit verspäteter Form. „Erst Erkältung, dann Oma-Kekse“, lacht er, „aber die Lunge ist frei, die Schleimhäute auch. Jetzt zählt nur noch Kontiolahti.“
Letzte chance vor der wm-planung
Die drei Weltcup-Wochen bis Oslo gelten als Stresstest für die neue Generation. Intern geht man davon aus, dass mindestens zwei Athleten aus dem aktuellen Kader nach der Saison pausieren werden. Bitterling: „Wir bauen nicht auf Sand, sondern auf Dynamit. Aber Dynamit braucht eine lunte – und die heißt Geduld.“
Die Medaillenbörse in Kontiolahti wird erstmals seit zwölf Jahren ohne deutschen Namen im Damen-Bereich auskommen müssen. Die Quote liegt bei 1:14 – das schlechteste Verhältnis seit Sotschi 2014. Doch wer jetzt nur die Statistik sieht, übersieht das Tempo, das Pfund und Fichtner in der Mixed-Staffel aufgemacht haben. 21:02 Minuten für 4 x 6 km. Das war Weltklasse, auch wenn es in der Tabelle nicht steht.
Um 09:30 Uhr Ortszeit geht’s los mit der Damen-Sprintwertung. Die Zielrichter haben bereits Ersatz-Klebebänder für die Nummern parat – für den Fall, dass wieder ein Pfund durchs Ziel fliegt.
