Kompany umarmt vinícius – und schickt demütige botschaft richtung münchen

Vinícius Júnior lief nicht einfach nur zum Anpfiff der zweiten Halbzeit aus der Kabine – er lief direkt auf Vincent Kompany zu, umarmte seinen eigentlichen Gegner und verschob damit die Debatte vom Rasen in die Köpfe. Real Madrid schlägt den FC Bayern 2:1 im Bernabéu, doch die Szene danach wird das Rückspiel prägen.

Der trainer, der seinen star nicht dämpfen will

Kompany, sonst ein Mann der klaren Kante, sprach nach dem Abpfiff mit einer Weichheit, die irritiert. „Viní muss bleiben, wie er ist“, sagte der Bayern-Coach. „Totale Unterstützung – egal, ob er morgen gegen uns trifft oder nicht.“ Mit diesen Worten stellt er sich gegen jene, denen Vinícius’ Rumänen-Tanz und seine permanente Provokation ein Dorn im Auge sind. Der Belgier erinnert sich selbst an die eigenen Erfahrungen mit Rassismus, erinnert an Franck Ribéry, der einst auf demselben Flügel für Bayern die Gegner demütigte und trotzdem verehrt wurde.

Die Umarmung war kein PR-Gag. Amazon-Prime-Bilder zeigen, wie Kompany den Brasilianer fest an sich zieht, kurz etwas ins Ohr flüstert, dann lächelnd weggeht. „Das ist das erste Mal, dass ich ihn getroffen habe“, beteuert Kompany. Klingt wie ein erstes Date, ist aber die Eskalation einer Sympathie, die vor Wochen in einer Pressekonferenz begann, als der Trainer zwölf Minuten lang über Rassismus sprach und sich ausgerechnet hinter Vinícius stellte.

München steht vor einem dilemma

München steht vor einem dilemma

Die Bayern gewannen in Madrid nur die Höflichkeitspunkte. Das 1:2 bedeutet, dass im Rückspiel alles auf einer Karte liegt – und auf dem linken Fuß eines Mannes, den ihr Trainer soeben öffentlich gelobt hat. Kompany will „nicht, dass er zu gut spielt gegen uns“, aber genau das wird passieren, wenn die Allianz Arena am kommenden Dienstag kocht. Vinícius hat nun nicht nur das confianza seines Trainers, sondern auch die eines Gegners. Das ist mentales Gift für jede Abwehr.

Die Zahlen sprechen ohnehin eine klare Sprache: In seinen letzten fünf Champions-League-Heimspielen beteiligte sich der 24-Jährige an sieben Toren – Tore plus Vorlagen. Gegen Bayern war er 2022 im Viertelfinale der Mann, der Manuel Neuer mit einem Distanzschrecken aus 25 Metern schockte. Kompany kennt die Videos, hat sie sich vor dem Hinspiel wahrscheinlich zu Hause angesehen. Und trotzdem wünscht er sich, Vinícius möge „nicht zu gut“ sein. Ein Wunsch, so aussichtslos wie ein Elfmeter gegen Thibaut Courtois.

Am Ende bleibt eine ironische Wahrheit: Der FC Bayern zahlt Kompany, um Titel zu holen. Doch sein wichtigster Satz dieser Saison könnte der sein, mit dem er einem Gegner den Rücken stärkt. Wenn Vinícius am Dienstag erneut jubelt, wird diese Umarmung zum Albtraum – und Kompany wird sich daran erinnern, dass er selbst die Energie lieferte, die ihn verletzen könnte. So funktioniert moderner Fußball: Manchmal umarmst du den Feind und merkst zu spät, dass du ihm gerade die Klinge geschärft hast.