Kompany gibt entwarnung: urbig, davies und musiala fallen nur kurz aus

Vincent Kompany musste nicht lange überlegen, als ihn jemand nach seinem ersten Gefühl nach dem 6:1 in Bergamo fragte. „Erleichterung“, sagte er, „dass es kein Beinbruch war.“ Die drei Ausfälle im Nachgang des Champions-League-Feuerswerks hätten das Bild des Abends trüben können, doch am Freitagvormittag teilte der Bayern-Trainer mit, was die Fans hören wollten: Jonas Urbig, Alphonso Davies und Jamal Musiala sind nur kurz außer Gefecht.

Urbigs gehirnerschütterung: „nächste woche kann er wieder einsteigen“

Der 21-jährige Keeper kassierte in der letzten Sekunde in Bergamo einen Schlag an den Kopf, die Diagnose lautet leichte Gehirnerschütterung. Urbig wurde sofort in die Klinik gebracht, doch bereits am Freitag stand er wieder im Leistungszentrum, allerdings nur zum Gespräch mit den Medizinern. „Wir gehen davon aus, dass er Mitte nächster Woche wieder auf dem Platz steht“, sagt Kompany. Bis dahin übernimmt Sven Ulreich die Handschuhe – und der 37-Jährige ist alles andere als ein Notnagel.

Ulreich hat in den vergangenen drei Jahren immer dann gehalten, wenn Manuel Neuer mal wieder länger fehlte. Auch diesmal springt er ein, während Neuer nach seinem Muskelfaserriss wohl erst nach der Länderspielpause zurückkommt. „Er ist keine zweite Wahl, sondern eine feste Größe in unserer Hierarchie“, sagt Sportvorstand Max Eberl. „Ulle hat nie gemeckert, nie ein Drama veranstaltet, er ist ein Profi im besten Sinne.“

Davies und musiala: rotation kommt zur richtigen zeit

Davies und musiala: rotation kommt zur richtigen zeit

Alphonso Davies zog sich eine Oberschenkelzerrung zu, fällt damit auch für die Länderspiele Kanadas aus. Das gilt intern als Geschenk, denn so kann der Flügelstürmer die internationalen Termine nutzen, um vollständig zu genesen. Jamal Musiala wiederum spürt nach seinem Fußoperationssommer Nachwirkungen, doch auch hier ist keine Langzeitdiagnose nötig. „Anfang nächster Woche kann er wieder mit der Gruppe trainieren“, sagt Kompany und lächelt dabei so sehr, dass man merkt: Er hatte schon Schlimmeres befürchtet.

Die Ausfälle kommen für den Belgier aus taktischer Sicht sogar gelegen. Michael Olise und Joshua Kimmich sind im Rückspiel gegen Bergamo gesperrt, können also am Samstag in Leverkusen durchspielen. Kompany wird rotieren, ohne an Leistung einbüßen zu müssen. „Wir sind in der glücklichen Lage, nicht aus der Not heraus wechseln zu müssen“, sagt er.

Kane-einsatz offen – aber nicht aus vorsicht

Kane-einsatz offen – aber nicht aus vorsicht

Ob Harry Kane in Leverkusen spielt, entscheidet sich kurzfristig. Der Engländer saß in Bergamo 90 Minuten auf der Bank, weil eine Wade nach einem Schlag noch druckempfindlich war. „Wenn das Signal kommt, dass Harry kann, dann spielt er“, sagt Kompany und unterstreicht damit die Kultur des Klubs: Risiko nur, wenn das Risiko kalkulierbar ist. Ein 0:0 wie im Februar 2023 will keiner mehr erleben, seitdem hat Bayern in 34 Bundesliga-Partien immer getroffen.

Kompany blickt deshalb gelassen nach Leverkusen. Bayer hatte in der Champions League gegen Arsenal nur 1:1 gespielt, was dem Bayern-Coach als Warnung dient. „Sie waren schwer zu knacken, haben mehr vom Spiel gehabt“, sagt er. „Das ist perfekt für uns, weil es uns auf den Boden holt.“ Die Tabellenführung ist knapp, der Druck groß, doch der Coach genießt diesen Modus. „Spannung verlieren wir nicht, wir sind Profis, kein Fanclub.“

Am Samstagabend wird Ulreich im Tor stehen, hinter ihm eine Viererkette, die sich in 14 Auswärtsspielen in dieser Saison noch nicht schlagen ließ. Davor ein Mittelfeld, das mit Musiala und Davies vielleicht schon wieder ein bisschen neugieriger wirkt. Und vorne ein Kane, der mit jedem Tag mehr Knall auf die Wade bekommt. Die Sorgenfalten sind geglättet. Der FC Bayern reist nach Leverkusen – nicht mit der Angst, sondern mit der nächsten Chance, die Serie auszuweiten.