Kölner haie jagen den mythos: tabellenprimus heißt nicht automatisch meister
Die Eisbären dürfen trotz Platz sechs träumen, die Haie jagen trotz Platz eins die Angst. Die DEL-Mainround ist Geschichte – und mit ihr die vermeintliche Sicherheit, dass der Erstplatziere auch im Mai den Pokal stemmt. 44 Meister seit 1981, nur 20 davon holten sich die Krone als Regular-Season-Sieger. Die Liga liefert ihr eigenes Spoiler-Script, und diesmal ist Kölns Name auf dem Cover.
Die berliner kommen – und das ist kein tippfehler
2024 und 2025 lachten die Eisbären vom zweiten Rang. Nun rutschen sie auf Rang sechs, was nach Abschied klingt, aber nach Historie riecht: 2011 und 2021 starteten sie ebenfalls als Dritte, 2013 als Vierte – und kehrten immer mit dem Silberpokal heim. Die Mannschaft von Trainer Serge Aubin ist seit 288 Tagen im Playoff-Modus, sie gewann 13 von 16 K.o.-Serien, egal ob vor oder nach Neujahr. Die Message an die Haie: Wir brauchen kein Heimrecht, wir haben Endspiel-Nerven.

Kölns fluch: die statistik, die keiner an die wand hängt
Die Haie feiern sich als „Mainround-Champion“, doch im Büro von Sportdirektoren kursiert ein Zettel mit blutroter Schrift: Seit 1995 schafften nur zwei Top-Teams den Double-Sieg. 1997 und 2001 jubelten die Adler, danach folgte ein Katalog von Grusel-Stories: München 2018 scheiterte im Finale, Red Bull 2019 musste Mannheim den Vortritt lassen, 2022 sangen die Eisbären in der Lanxess-Arena das letzte Lied. Die Kölner Anhänger wispern „Endrundenglück“, doch die Wahrheit ist simpler: Je länger die Serie dauert, desto lauter tickt die Uhr im Kopf.

Die außenseiter-kurve: vom neunten zum champion
2014 schnappte sich Ingolstadt als Neunter den Titel – ein Skandal für Statistiker, ein Gedicht für Romantiker. Die Liste der Underdogs liest sich wie ein Who-is-Who der Liga-Geschichte: Rosenheim 1982, Frankfurt 2004, Hannover 2010. Sie alle schrieben sich mit Schlägern statt mit Taschenrechnern in die Annalen. Die Lehre: In der DEL zählt nicht der Punkteschnitt, sondern der Torjubel nach 60 Minuten Eishockey-Poker.
Die Playoffs beginnen am Freitag. Kölns Eis ist frisch gemasert, Berlins Bus steht bereits am Rhein. Die Haie wollen den Fluch brechen, die Eisbären den Mythos bestätigen. Wer am Ende den Pokal hebt, entscheidet sich zwischen Blut, Schweiß und einem Puck, der irgendwann im Netz zappelt – egal, wer vorher Tabellenführer war.
