Eisbären zischen ins viertelfinale – und eder atmet auf

5:1-Sieg gegen München, Platz sechs in der Hauptrunde – und plötzlich steht Berlin wieder dort, wo es sich am wohlsten fühlt: im direkten Viertelfinale. Andreas Eder nimmt die Magenta-Kamera, lacht kurz und sagt das, was 18.000 Seelen im Stadion denken: „Ich bin froh, dass wir nächste Woche nicht spielen müssen.“

Der lauf, der alles zurechtrückte

Noch vor drei Wochen lagen die Eisbären vier Punkte hinter Bremerhaven, das Playoff-Ticket schien weg. Dann rissen sie fünf Siege heraus, ohne Stottern, ohne Nachlassen. Aubin trimmte seine Reihen auf Powerplay-Präzision und Unterzahldisziplin, Wissmann blockte sich fast schon olympisch in die Bande, und Eder traf dreimal in dieser Endphase – jedes Tor ein Schritt Richtung Rettung.

Die Zahlen erzählen die Geschichte genauer: 16 Tore in den letzten fünf Partien, nur fünf Gegentore – das ist keine Momentform, das ist eine Kampfansage. Die Gegentore-Quote nach der Olympia-Pause ist mit 1,25 pro Spiel die beste Liga-Wert. Liest man nur diese Zeile, könnte man meinen, Berlin sei nie gestolpert.

Straubing wartet – und bringt 16 punkte mehr mit

Straubing wartet – und bringt 16 punkte mehr mit

Am 24. März geht’s los in die Lower Bavaria-Arena. Die Tigers lassen als Tabellendritter den Puck kreisen wie kaum ein anderes Team, 101 Zähler stehen bei ihnen zu Buche. Berlin folgt mit 85 – Statistiker nennen das Außenseiter, die Eisbären nennen es Chance. „Wenn wir defensiv so kompakt bleiben wie zuletzt, brauchen die Tigers 240 Minuten für vier Siege“, sagt Wissmann, und man glaubt ihm, weil seine Stimme ruhig klingt und seine Augen den Blick nicht wenden.

Der Trainer schickt seine Schützlinge diese Tage in Kurzarbeit: zwei Tage Eis, ein Tag Video, ein Tag Gym – nichts anstrengender als nötig, nichts lockerer als gefordert. Aubin weiß, dass die Playoffs mit dem ersten Bully ein neues Kapitel aufschlagen. „Wir starten bei null“, sagt er, während er auf dem Tablet die Zweikampfquoten der Tigers vor sich sieht. Die Analyse ist erbarmungslos, aber sie ist ehrlich.

Der hattrick, der keiner sein darf

Der hattrick, der keiner sein darf

Zwei Silberpokale stehen im Kabinengang, dieses Jahr soll kein Platz mehr frei bleiben. Eder erzählt von der Verletzungsmisere im Herbst, von acht Mann aus dem Stammkader gleichzeitig außer Gefecht, vom Training mit drei Torhütern auf einer Scheibe. „Trotzdem nie gezweifelt“, sagt er – und meint es. Solche Sätze klingen nach Klischee, bis man die Belastungsdaten sieht: Berlin absolvierte 42 Trainingseinheiten mit unter 14 Feldspielern, trotzdem nie unter 50 % Scheibenbesitz. Das ist keine Mentalität, das ist System.

Die Buchmacher geben 4,2 – Quote gegen Straubing, die höchste aller Viertelfinal-Duelle. Die Eisbären lesen die Zahlen, lachen, schließen die Kabinentür. Drinnen steht eine Tafel mit dem Satz: „Erst wenn das Eis schmilzt, sehen sie unsere Klingen.“ Kitschig? Vielleicht. Aber Kitsch hat schon viele Cups gewonnen.

Die Uhr tickt, die Pause ist beendet. In zehn Tagen trägt Berlin wieder Schwarz-Gelb in die Arena, und die Stadt hält den Atem an. Denn wer die letzten fünf Spiele gesehen hat, weiß: Diese Mannschaft braucht keinen Umweg mehr – sie sucht sich ihren direkten Weg zum Himmel, und der führt über Straubing. Die Serie beginnt.