Köln-dortmund entzaubert: var, rote karte und guirassys revolte

Der Fußball vergaß das Spiel, das RheinEnergieStadion vergaß die Tabelle. Am Ende stand ein 2:1 für Borussia Dortmund, aber die Zahlen lügen nicht länger als der Schiri pfeift. Die wahre Geschichte jener 96 Minuten steckt zwischen zwei Bildern: Jahmai Simpson-Puseys Stollen an Maximilian Beiers Achillessehne und Serhou Guirassys demonstrative Verweigerung eines Handschlags mit Trainer Niko Kovac. Der Rest war Beifang.

Der moment, als trippel die maske fallen ließ

Michael Trippel, seit 25 Jahren das Stimmungsbarometer der Kölner Fans, verlor die Contenance, als Schiedsrichter Daniel Siebert Simpson-Pusey nach VAR-Befragung mit Rot vom Platz schickte. „Pfui! Widerlich!“, brüllte der 71-Jährige ins Mikro, und das Echo ging durchs Netz. Die Szene war symptomatisch für einen Abend, an dem Emotionen die Taktik überrollten. Beier zuckte zusammen, blieb liegen, die Kamera zoomte auf die blutige Furche. Ob die Tatsachenentscheidung korrekt war, bleibt streitbar – der Kontakt war hart, aber nicht unbedingt vorsätzlich. Dennoch: Die Ampelkarte wurde zur Rote, Köln musste in Unterzahl weitermachen.

Trainer Lukas Kwasniok sprintete kurz in die Katakomben, als wolle er die Entscheidung in einem Paralleluniversum korrigieren. Zurück auf der Bank schüttelte er nur den Kopf. Seine Mannschaft hatte das Spiel lange offen gehalten, nun war die Luft raus.

Guirassys kleine revolution

Guirassys kleine revolution

60. Minute, 2:0 für den BVB, Kovac zieht Guirassy trotz Führung und Torbeteiligung vom Feld. Der Stürmer stapft zur Bank, klatscht Adeyemi halbherzig ab, umgeht Kovac mit einem Schweigemarsch. Kein Handschlag, kein Blick, kein Wort. Es ist nicht das erste Mal, dass Guirassy seine Unzufriedenheit nonverbal kundtut. Schon beim Sieg gegen Leverkusen hatte er den Trainer ignoriert. Intern spricht man von „kompetitiver Reibung“, außen wirkt es wie ein Machtspiel. Kovac blieb starr, die Kamera suchte seine Miene – nichts. Die Frage ist, wie lange der Kroat die Ego-Trips noch mitspielt, wenn der Sieg teurer wird als die Meinung eines Stars.

Sportlich lieferte das Spiel nur Bruchstücke. Beier bereitete das 1:0 vor, schoss das 2:0 selbst – ein Doppelpass mit Brandt, ein trockener Rechtsschuss ins lange Eck. Guirassy verzichtete auf den Jubel gegen den Ex-Klub, Kaminski erzielte den Anschlusstreffer per Abfälscher. Mehr nicht. Die Tabelle verrät: Der BVB hält den Sechs-Punkte-Abstand zu Hoffenheim, liegt elf hinter Bayern. Für Köln reicht ein Blick nach unten: zwei Siege aus 16 Partien, das nächste Endspiel in Hamburg. Verliert die Mannschaft dort, könnte der Klub die Reißleine ziehen – und Kwasniok wäre der erste Abgang, bevor die Transferperiode richtig beginnt.

Der Sieg ist ein Sieg, aber er schmeckt nach Aspirin statt Champagner. Die Liga tickt weiter, doch in Köln und Dortmund bleibt ein Beigeschmack, der sich nicht per VAR wegchecken lässt.