Kollaps in der kabine: 24-jähriger fußballer daniele pairotto stirbt nach herzstillstand
Die Nachricht schlug ein wie ein Kopfball aus fünf Metern: Daniele Pairotto ist tot. Der 24-jährige Stürmer von Crova Vercelli brach am Samstag in der Halbzeitpause des CSI-Meisterschaftsspiels gegen Livorno Ferraris im Katakombengang der Sportanlage zusammen – und erlag am Sonntagvormittag seinen Herzversagen im Krankenhaus Novara.
Was wie ein Routine-Abstieg in die Kabine aussah, wurde zur letzten Sekunde seines Lebens. Pairotto hatte gerade noch mit Teamkollegen – darunter sein Bruder – und seinem Vater gewitzelt, als er mitten im Gehen stolperte. Kein Foul, kein Zweikampf, nur ein leiser Aufprall auf dem Beton. Sekunden später lag er reglos, die Lunge kämpfte, das Herz stand still.
Reanimationsversuch vor verschwitzten trikots
Spieler packten die Hosen hoch, der Vater drückte die Brust seines Sohnes, ein Mitspieler atmete beatmungsmaske-weise ins leere Stadion. Als der 118-Notarzt eintraf, war Pairottos Puls bereits eine flache Linie. 42 Minuten Herzdruckmassage, Adrenalin, Defi – dann hob der Hubschrauber ab Richtung Novara. Dort erklärten die Ärzte ihn um 11:37 Uhr für tot.
Die CSI-Liga, italienische Amateurebene, ist berühmt für ihre Sonntagsromantik – und berüchtigt für fehlende Notfallärzte. Kein Defibrillator stand bereit, keine Sanitäter patrouillierten. „Wir sind ein Dorfklub, kein Serie-A-Startup“, sagt Präsident Marco Rinaudo, dessen Stimme am Telefon bröckelt. „Aber jetzt fehlt uns der wichtigste Spieler, den wir hatten: unser Herz.“
Die Staatsanwaltschaft Vercelli leitet eine Obduktion ein. Früherkennungs-Untersuchungen sind in der Serie D und darunter freiwillig – und kostenpflichtig. Pairotto, gelernter Lagerist, hatte sich zuletzt „müder“ geäußert, aber nie einen Arzt aufgesucht. Sein letzter Instagram-Post zeigt ihn beim Aufwärmen, daneben das Motto „Spiel jeden Tag, als wäre es das letzte Mal“. Es wurde genau das.

Stadien toten, wenn sie keine retter haben
Italiens Fußball-Verband FIGC verzeichnet seit 2019 fünf Todesfälle auf Amateurböden, alle durch plötzlichen Herztod. Die Politik diskutierte über Pflicht-Defibrillatoren, verstaubte dann in Kammern. Die Tatsache: Ein AED-Gerät kostet 1.200 Euro, umgerechnet weniger als ein Jahresgehalt eines vierten Liga-Spielers. Dennoch fehlt in 72 % der Stadien dieser Kleinbetrag an Hardware.
Crova trägt am nächsten Spieltag schwarze Armbinden, Livorno Ferraris wird die Partie kampflos verlustpunkten. Doch das ist Formsache. Was bleibt, ist das Foto, das Pairottos Bruder am Dienstag vor dem verschlossenen Vereinsheim aufhängte: Daniele im Torjubel, Arme weit, Mund weit – ein Bild, das nun wie ein Scherbenhaufen auf dem grünen Teppich liegt.
Der Ball rollt wieder, das Leben nicht. Und irgendwo in der Provinz steht ein Vater vor einem leeren Spielfeld, auf dem sein Sohn nie mehr erzielt.
