Kohlschreiber knallt: zverevs coupe löst keinen tennis-tsunami aus

Philipp Kohlschreiber pflanzt sich 42 Jahre jung ins Eurosport-Mikrofon und schmettert die harte Wahrheit in die deutsche Tennis-Seele: Ein neuer Boom bleibt aus.

Kein nachwuchs-run nach sensation

„Der echte Run kommt, wenn ein 22-Jähriger plötzlich einen Grand-Slam klaut“, sagt der frühere Davis-Cup-Profi. Er sieht Jannik Sinner vor seinem inneren Auge – der Italiener riss 2024 mit 22 die Australian Open und wurde zum Superstar eines ganzen Landes. Zverev? Der war längst fertig, bevor er Paris eroberte. „Er hatte alles gewonnen, jeden geschlagen.“

Deutschland feiert seit Roland Garros einen Helden, die Vereine aber registrieren keine Ansturm-Welle in den Kids-Kursen. Die Hallen bleiben halbleer, die Wartelisten kurz. War früher Becker oder Graf der Funke, der Millionen in die Tennis-Schuhe trieb, wirkt Zverev heute wie ein abgeklärter Routinier, der seine Rechnung begleicht.

Zverev als favorit nummer zwei

Zverev als favorit nummer zwei

Trotzdem rudert Kohlschreiber nicht im Takt der Krisen-Melodien. Wenn Wimbledon am Montag rollt, steht der Weltranglistendritte laut ihm direkt hinter Titelverteidiger Sinner. Alcaraz fällt aus – die Chance klafft. Am Mittwoch um 15 Uhr startet Zverev gegen den belgischen Qualifikanten Alexander Blockx, und das All England Club könnte zum zweiten Mal innerhalb von fünf Wochen laut werden.

Die Zahlen sprechen für sich: Zverev hat die letzten fünf Turniere auf Gras vier Mal mindestens im Viertelfinale gestanden. Das Knie hält, der Aufschlag knallt. Wimbledon bleibt seine letzte weiße Weste – und vielleicht der letzte Schritt zu einer Karriere, die längst Legendenformat erreicht hat, auch ohne den vermeintlichen Nachwuchs-Boom.

Die deutschen Courts warten weiter auf ihre neue Welle. Die alte macht gerade Geschichte.