Klinsmanns fünferpack in düsseldorf: 40 jahre ungebrochen

15. März 1986, Rheinstadion. 12.000 Zuschauer glauben an einen kampfeslustigen Abstiegskandidaten, sehen stattdessen einen 21-Jährigen, der in 42 Minuten die Auswärtsbibel neu schreibt. Ergebnis: 0:7. Torschützenkönig: Jürgen Klinsmann. Fünfmal. Mit links, mit rechts, per Kopf. Bis heute teilt sich niemand diesen Rekord.

Die Zahlen sind schon damals ein Greif nach Superlativen. Fünf Tore in einem Bundesligaspiel – das schafften vor ihm nur 15 Profis, danach lediglich Robert Lewandowski, allerdings im heimischen Stadion und als Einwechselmann. Doch ein Auswärts-Fünferpack? Einmalig. Und das in einer Saison, in der der Stürmer vor dem Spiel erst sieben Mal getroffen hatte.

Die diva vom rhein versinkt im schlamassel

Fortuna Düsseldorf hatte die Bayern vor sieben Tagen außer Gefecht gesetzt, dennoch bleibt der Rasen bräunlich, die Ränge halb leer. Die Mannschaft steht auf Platz 14, der VfB nach der Entlassung von Lothar Matthäus unter Interimstrainer Willi Entenmann auf Platz sechs. Entenmann prophezeit: „Die Reise ist unangenehmer geworden.“ Was folgt, ist die Demontage einer Diva.

Nach dem Seitenwechsel bricht die Partie auseinander. Michael Spies eröffnet den Torreigen, dann übernimmt Klinsmann. 36., 58., 64., 71., 78. Minute – zwischen Tor eins und fünf vergehen nur 42 Minuten. Die Fortuna-Abwehr um Günter Kuczinski wirkt wie in Zeitlupe, die Ersatzbank schickt Michael Bunte als Notstopper, doch auch der kann die Lawine nicht bremsen.

Die eigenen Anhänger jubeln irgendwann mit. „Jürgen, los, mach noch eins!“ ruft ein Fan, der die rote Trikotkultur vorlebt. Das Trikot fliegt ins Publikum, das Foto des muskelbepackten Jung-Siegfrieds geht um die Welt. Die ARD lädt ihn noch am Abend ins Sportstudio ein, er findet: „Es ging ganz locker.“

Der befreiungsschlag mit nachhall bis rom 1990

Der befreiungsschlag mit nachhall bis rom 1990

Was wie eine Fußball-Posse klingt, wird zum Wendepunkt. Der VfB rutscht nicht mehr in den Abstiegsstrudis, sondern landet am Ende auf einem UEFA-Cup-Platz und zieht ins Pokalfinale ein. Klinsmann selbst spricht von „befreitem Gefühl“ und schiebt den Dank an Entenmann: „Der Willi gibt mir Sicherheit.“

Die Nationalmannnung folgt 18 Monate später, das Tor des Jahres 1987 per Fallrückzieher gegen die Bayern, der Kaisers Ruf, der Weltmeistertitel 1990. Doch kein späterer Treffer wird je den Düsseldorfer Fünferpack einholen. 16 Tore schoss er einmal in der E-Jugend des SC Geislingen – mehr nicht. Der Rekord aus dem braunen Rasen von 1986 bleibt unantastbar.

Heute, vier Jahrzehnte danach, schauen Analysten auf Expected Goals und Datenclouds – und stellen fest: Manchmal reicht ein einziger Nachmittag, um sich für immer in die Geschichtsbücher zu brennen. Klinsmann selbst sagte damals schon alles: „Ein Tag, wo einfach alles läuft.“ Läuft bis heute. Denn wer draußen fünf Mal trifft, der muss sich den Platz nicht teilen – nicht mit der Zeit, nicht mit der Konkurrenz, nicht mit der Statistik.