Kika nazareth rüttelt am tisch, um das clásico-glück zu zwingen

45.000 Stimmen im Camp Nou, ein 4:0-Start nach vorn – und eine Portugiesin, die heimlich Holz klopft, als ginge es um ihr Leben. Kika Nazareth will den Clásico nicht nur spielen, sie will ihn erzwingen, bevor das Schicksal wieder zuschlägt.

Die angst sitzt in der hand

Letztes Jahr schwante es ihr auch. Champions-League-Finale in Lissabon, ihre Stadt, ihre Familie auf den Rängen – und am Ende fehlte sie selbst, Kreuzband, vor dem Spiel, nach dem Aufwärmen. Deshalb jetzt dieses leise Tipp-Tipp-Tipp auf dem Tisch, als könne das Eichenblatt der Pressekabine die Geschichte umschreiben. „Wenn ich daran denke, werde ich abergläubisch“, sagt sie und lacht, aber das Kinn zittert ein bisschen.

Barça liegt nach dem 6:2 vom Hinspiel so weit vorne, dass selbst ein Madrider Sieg zur Formsache mutieren würde. Doch Kika weiß: Fußball ist kein Formular. „Ein Clásico ist kein normales Spiel. Das ist ein Kratzer im Kalender, der bis zum Knochen geht.“ Sie spricht von der Woche im Kabinengang, in der selbst die Putzfrau „Hala Madrid“ flüstert, wenn sie den Müll einsammelt.

45.000 Testimonials für frauenfußball

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Das Camp Nou öffnet seine oberste Etage, ein Rekordpublikum steht in den Startlöchern. Kika sieht darin mehr als Zuschauer: „Das ist unser Zeugnis, dass wir nicht nur mitlaufen, sondern mitbestimmen.“ Sie nennt keine Quote, sie nennt keine Statistik, sie nennt das Gefühl, „dass der Ball morgen schwerer wird – und leichter, weil so viele ihn tragen“.

Gegen Madrid hat sie schon drei Tore gemacht in dieser Saison, zwei per Hacke, eines per Faust-in-die-Luft-Schuss. Trotzdem betont sie: „Ob ich treffe oder Salma oder Caroline – wir müssen nur gewinnen. Der Rest ist Nebensache, aber der Nebensache verfallen alle.“

Ligapokal schon in sichtweite

Ligapokal schon in sichtweite

Nach dem Clásico folgt am Montag das Badalona-Spiel. Schon jetzt rechnet jeder im Staff durch: Sieg da, Punktverlust von Madrid am Sonntag – Barça wäre vorzeitig Meister. Kika schüttelt den Kopf: „Wer fünf Spiele vor Schluss schon feiert, hat die Playstation an.“ Sie will den Pokal, aber sie will ihn in der Hand, nicht im Excel-Sheet. „Wir haben vier Jahre gearbeitet, nicht vier Wochen.“

Und dann sagt sie noch etwas, das nach dem Interview im Raum stehen bleibt: „Ich bin keine Spanierin, aber wenn das Tor fällt, werde ich laufen, bis mir die Lunge brennt. Nicht weil ich es muss. Sondern weil ich kann.“

Donnerstag, 18.45 Uhr. Kika Nazareth wird nicht mehr klopfen. Dann wird geschossen – und ggf. geheilt.