Hendawy wirft hin: wetzlar lässt 37-jährigen torwart einfach gehen
Karim Hendawy ist weg – und das, obwohl der Vertrag eigentlich noch bis zum Sommer lief. Die HSG Wetzlar trennt sich vorzeitig vom ägyptischen Nationalkeeper, weil er „eine neue sportliche Herausforderung im Ausland“ sucht. Für den 37-Jährigen ist es das abrupte Ende eines Kapitels, das erst im September begann.
Kein einsatz, kein protest – nur ein handschlag
Michael Allendorf, Sport-Geschäftsführer des Bundesligaklubs, beschreibt die Situation mit keiner Sekunde Selbstzweifel: „Für Karim waren die vergangenen Wochen nicht einfach. Wir haben drei Torhüter im Kader und er hat zuletzt keine Einsatzzeiten gehabt.“ Statt sich anzuklagen, habe Hendawy „vorbildlich“ trainiert, die Reservebank poliert, die Mannschaft angefeuert. Dann kam die Frage – und Wetzlar sagte sofort ja. Keine Ablöse, keine Blockade, nur ein Nicken und ein Verweis auf die menschliche Größe des Vereins.
Die Zahlen sind kühl: 22 Spiele seit September, zwölf Siege, sieben Niederlagen, drei Clean Sheets. Kein einziger Einsatz seit Februar. Die Konkurrenz hieß Bart Ravensbergen, der nach seiner Knie-Operation wieder fit ist, und Finn Zech, der mit 23 Jahren die Zukunft des Klubs verkörpert. Hendawy wurde zur Notlösung, dann zur Luxus-Reserve.

Der ägyptische deckel auf dem mittelhessischen kessel
Wetzlar hatte Hendawy geholt, weil Ravensbergen im Sommer 2025 Kreuz- und Seitenband riss. Die Not war groß, die Quote brannte. Hendawy, 102 Länderspiele, WM-Teilnehmer, Kairo-Legende, sollte Stabilität bringen. Er kam mit Brustkorb und Lächeln, redete von „Familie“ und „neue Heimat“. Doch schon nach der Hinrunde rutschte er auf Platz drei der internen Hierarchie. Die Fans sangen trotzdem sein Lied – „Ká-rim, Ká-rim“ –, wenn er im Warm-up einen Ball über die Tribüne donnerte.
Im Januar fragte er das erste Mal, ob man ihn ziehen lasse. Allendorf wollte noch „Ruhe ins Rennen bringen“. Nun, da die Play-downs vor der Tür stehen und Wetzlar den Klassenerhalt vor allem über die Treffsicherheit von Kreisläufern und Rückraum planen muss, ist die Ruhe dahin. Hendawy fliegt, wohin genau, bleibt offen. Qatar? Frankreich? Die Agentur von Hendawy schweigt, nur so viel: Es geht „um eine sportliche Perspektive, keine Rentenkasse“.
Für Wetzlar bleiben 60.000 Euro Gehaltsersparnis bis Juni und ein freier Platz auf der Bank. Die Moral-Debatte, ob ein Klub einen erfahrenen Schlussmann einfach so ziehen lassen darf, wird man in der Kabine nicht führen. Dafür ist die Liga zu eng, der Ball zu schnell. Am Sonntag geht’s gegen Lemgo, dann gegen Balingen. Ravensbergen ist fit, Zech ist heiß. Die Geschichte von Karim Hendawy in Wetzlar ist beendet – bevor sie richtig begann.
Ein Vertrag ist nur Papier, sagt man im Sport. In diesem Fall war er ein Fahrschein für die Rückreise in die Fremde.
