Kiel wirbelt das cl-roulette auf: wiencek glaubt noch an das wunder
Die Meisteruhr tickt. Noch vier Spieltage, und der THW Kiel darf nicht mehr stolpern. Patrick Wiencek spürt den Pulsschlag des Nordens. „Wir sind Außenseiter, klar. Aber wir sind auch der THW“, sagt der Ex-Kapitän, und seine Stimme klingt wie ein Pfiff vor dem 116. Schleswig-Holstein-Derby.
Die tabelle lügt nicht – und doch lügt sie
34:14 Punkte, Platz fünf, fünf Minuspunkte Rückstand auf Flensburg. Die Zahlen sind hart, aber sie sind kein Todesurteil. Die HBL hat zwei sichere Tickets, das dritte liegt im Lotto der European League. Dort steht Kiel im Viertelfinale, und ein Sieg könnte die Tür zur Königsklasse aufstoßen. „Die Zeiten, in denen wir vor Saisonbeginn schon Champions-League-Spiele im Kalender hatten, sind vorbei“, gibt Wiencek zu. „Aber die Zeit, in der wir aufgeben, ist das auch.“
Am Samstag, 20 Uhr, eröffnet sich im Ostsee-Stadion eine weitere Etappe. Flensburg reist an, und mit einem Kieler Sieg würde der Abstand auf zwei Punkte schrumpfen. „Dann reden wir wieder“, sagt Wiencek und lacht schief. „Dann reden alle wieder.“

Der kieler biss kommt im pokalmodus
Die 36:29-Demontage im European-League-Hinspiel war kein Zufall. Sie war ein Statement. Die Art von Spiel, in der der THW seine DNA zeigt: aggressives 3-2-1, temporeiche Gegenstöße, Kreis Mitroung und Pekeler als Turbo. „Wir haben Flensburg in dessen eigene Zone gedrückt“, erinnert sich Wiencek. „Genau diese Intensität brauchen wir am Samstag von der ersten Minute an.“
Die personelle Lage? Zweifelhaft. Weinhold laboriert an der Schulter, Sagosen zog sich eine Prellung zu. Doch Alfreð Gíslason hat in den vergangenen Wochen bewiesen, dass er auch aus dem Krankenzimmer eine Taktik schreiben kann. Die Rotation um Landin im Tor und Duvnjak als Spielmacher-Direktor funktioniert, wenn der Rhythmus stimmt.

Die rechnung geht bis zum letzten abpfiff
Berlin, Lemgo, Gummersbach – alle haben noch Luft nach oben, alle noch Luft nach unten. Ein verschärftes Torverhältnis kann über Rang drei entscheiden, ein Sieg im Direktvergleich über die Moral. „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und dann zuschauen“, sagt Wiencek. „Aber wer uns abschreibt, kennt den THW nicht.“
Die Fans spüren es. 12.000 Tickets sind weg, die letzten 200 verramscht am Freitag in fünf Minuten. Die Nordderby-Kollektion ist ausverkauft, die Bierbänke an der Förde schon reserviert. „Es ist wie Dortmund gegen Schalke, nur mit Handbällen und ohne Pyro“, grinst Wiencek. „Aber mit genauso viel Hass-Liebe.“
Am Ende bleibt eine Wahrheit: Wenn Kiel seine restlichen vier Spiele gewinnt, liegt die Qualifikation nicht mehr in fremden Händen. 48 Minuspunkte wären möglich, das würde für Rang drei reichen, sollte Berlin oder Flensburg straucheln. „Wir jagen, sie rennen“, sagt Wiencek. „Und jagende Hunde beißen manchmal stärker.“
Der Countdown läuft. Samstag, 20 Uhr. Wer dann im Ostsee-Stadion ist, erlebt kein Spiel, sondern ein Statement. Entweder der THW zieht die Schlinge enger – oder er begrabt seine Champions-League-Träume vor eigenem Publikum. Für Patrick Wiencek steht fest: „Wenn wir das Feuer entfachen, brennt Flensburg mit.“
