Kerr zündelt erneut: nba muss zehn spiele streichen, sonst zerbricht das produkt

Steve Kerr ballt die Faust – und trifft die Liga mitten ins Portemonnaie. Der Chef der Golden State Warriors fordert nichts weniger als die Streichung von zehn Saisonspielen, weil der Spielplan seine Spieler auffrisst wie ein Holzfresser. Die Rechnung: 82 minus 10 gleich 72. Die Konsequenz: Milliardenverluste, dafür weniger Tape am Knie und mehr Basketball, der nicht nach Fitness-Studio riecht.

„Ich weiß, das ist in der Zentrale unpopulär“, sagt Kerr vor der 118:131-Pleite in Salt Lake City, „aber ich wiederhole es bis zur Erschöpfung: Das Tempo, der Raum, die Dichte – das ist kein Sport mehr, es ist ein Dauerlauf mit Verteidigung.“ Seine Stimme klingt, als hätte er selbst 48 Minuten auf der Bank gestanden. Die Reporter wissen: Wenn Kerr redet, hören selbst die Statistiker auf zu tippen.

Back-to-backs sind leberfleck auf dem kalender

Die NBA lebt von 1 230 Spielen, acht TV-Partien pro Nacht, 30 Arenen, die wie Glühbirnen durchbrennen. Streicht man zehn Begegnungen pro Team, fallen 300 Spiele weg – und mit ihnen 300 Chancen auf Eintritt, Bier, Merchandise. Doch die echte Währung ist Gesundheit. Zion Williamson schlurft durch die Gegend wie ein Betonkopf, Kawhi Leonard wird zum Teletext-Update, und LeBron James braucht Mikrochip-Wartung statt MVP-Diskussion.

Kerr hat die Zahlen parat: 1,3 Back-to-Backs pro Woche, 3,4 km Sprintdistanz pro Spiel, 1 100 Wechsel pro Saison. Die Muskulatur der Stars gleicht einem Strick, der an 82 Stellen gleichzeitig reißt. „Wir schaffen es, dass die besten Athleten der Welt in Playoffs mit leerem Tank anlaufen. Das ist keine Strategie, das ist Selbstbetrug.“

Die liga lacht, bis die kasse klingelt

Die liga lacht, bis die kasse klingelt

Adam Silver sitzt 3 000 Kilometer entfernt in Manhattan und rechnet anders. Sein Excel sagt: Weniger Spiele, weniger Geld. Die TV-Partner haben Verträge bis 2035, die Franchises Schulden in Milliardenhöhe, die Gehaltsobergrenze steigt nur, wenn die Einnahmen steigen. Kerrs Vorschlag kostet rund 500 Millionen Dollar pro Jahr – ein Betrag, für den man sich lieber neue Load-Management-Regeln ausdenkt als echte Erholung.

Doch der Coach zieht den Zeitungsstraßenjäger durch. „Ich hätte gern ein Produkt, bei dem Steph Curry nicht mit 70 Prozent Knie spielt, sondern mit 100 Prozent Seele.“ Die Warriors selbst sind Beispiel und Warnung zugleich: 15 verletzte Spielerwochen, 40 Millionen Dollar Gehalt auf der Bank, ein Saisonstart, der nach Vorsaison aussieht. Wenn Kerr redet, redet auch sein Körper.

Die uhr tickt, der ball rollt weiter

Die uhr tickt, der ball rollt weiter

Die NBA wird nicht morgen kürzen. Die Spielerunion müsste zustimmen, die Besitzer müssten freiwillig auf Geld verzichten, die Netzwerke müssten ihre Sendepläne umschreiben. Aber Kerrs Satz bleibt hängen wie ein Basketball an der Angel: Wenn wir nicht handeln, handelt der Verletzungspech für uns. Die Liga kann sich weiterhin hinter Paragrafen verstecken oder endlich zugeben, dass 82 Spiele eine Reliquie aus der Ära der Kurzen Hosen sind.

Am Ende der Pressekonferenz packt Kerr seine Notizen zusammen. Kein Slogan, kein Appell, nur eine Feststellung: „Wir verlangen von 450 Athleten, das Unmögliche zu leisten. Die Frage ist nicht, ob sich das ändert, sondern wie viele Achillessehnen wir noch opfern wollen, bis wir es tun.“ Dann verschwindet er im Flur, und die Reporter bleiben zurück mit dem Gefühl, dass die nächste Verletzungsmeldung nicht mehr weit ist.