Bussmann bricht den fluch: deutschland trifft nach 20 jahren – und verliert trotzdem

Endlich knallt es. Jano Bussmann schießt nach 20 Jahren das erste deutsche Tor bei den Paralympics. Die Sirene heult, 5.000 Italiener verstummen. Drei Minuten später sitzen die deutschen Sledges wieder im Kasten. 1:2 gegen Italien, drittes Spiel, dritte Niederlage. Der Jubel war kurz, die Realität gnadenlos.

Der treffer, der nur drei minuten währte

Bussmann, 19 Jahre jung, schnappt sich den Puck an der Bande, zieht nach innen, täuscht einmal, zweimal – rein. Julian Kasslatter streckt sich vergeblich. Die deutsche Bank explodiert, selbst Bundestrainer Peter Willmann reißt die Arme hoch. Es ist das erste Tor seit dem 0:12-Debakel von Turin 2006, als das Team noch aus Feuerwehrleuten und Physiotherapeuten bestand. Die Erlösung ist greifbar.

Dann kommt die 12. Minute. Powerplay für Italien. Nils Larch schlenzt aus dem Gewühl, der Puck kullert durch Dennis Jäger’s Beine. 1:1. Die Führung war nur ein Hauch, keine Epoche.

Müde knie, leere blicke

Müde knie, leere blicke

Die zweite Pause wirkt wie ein Weckruf – für die Gastgeber. Nikko Landeros, 36, mit zwei Silbermedaillen im Gepäck, jagt den Puck wie einen Slapshot aus der Mittelzone. Wedde blockt zu spät, Jäger sieht den Schuss zu spät. 2:1. Die deutsche Abwehr stand wie angewurzelt. 15 Stunden zuvor lieferten sie sich noch ein 0:8 gegen die USA, jetzt laufen ihnen die Beine weg.

Deutschland erwacht, aber nur kurz. Powerplay um Powerplay, Chancen im Minutentakt. Die Scheibe springt an die Stange, Kasslatter streckt den Schoner, der Referee pfeift Abseits. Die Uhr tickt. 53 Sekunden vor Schluss zieht Willmann den Torhüter. Die italienischen Stühle klappern, der Puck fliegt zweimal vor das leere Gehäuse – vorbei. Abpfiff.

Zwischenrunde oder kampf ums ansehen

Zwischenrunde oder kampf ums ansehen

Morgen geht’s los in die Platzierungsrunde, Deutschland trifft auf Slowakei und Südkorea. Theoretisch Platz fünf, praktisch ein Prestigeduell gegen den Abstieg in die zweite Gruppe. Die Statistik ist gnadenlos: 0 Punkte, 1:24 Tore, 0,4 Prozent Puckbesitz in Überzahl. Doch die Stimmung bleibt stur. „Wir haben bewiesen, dass wir mithalten können“, sagt Kapitän Wedde, „nur die Klinik fehlt.“

Die nächste Chance kommt am Donnerstag um 15:30 Uhr. Wer dann nicht trifft, fliegt raus. Für Bussmann ist klar: „Das nächste Tor wird fallen. Und diesmal reicht es.“