Kastening stürmt zurück: gislason setzt auf alte kraft gegen ägypten
Timo Kastening ist zurück. Nach 298 Tagen in der Nationalmannschaftswüste packt der Rechtsaußen der MT Melsungen wieder seinen Koffer, fliegt nach Dortmund, dann nach Bremen – und tritt genau dort an, wo Lukas Zerbe von Rekordmeister Kiel vor zwei Wochen noch die Silbermedaille um den Hals hing. Der Deutsche Handballbund bestätigte am Freitagmorgen die Personalrochade: Kastening rückt für die Doppel-Partie gegen Afrikameister Ägypten in den Kader, Zerbe fehlt verletzt.

Die rückkehr des linkshänders nach knapp einem jahr
Die letzte Länderspielminute des 30-Jährigen datiert auf den 4. Mai 2025, damals in der EM-Quali gegen die Schweiz. Seitdem war Kastening außen vor – nicht wegen mangelnder Torgefahr, sondern weil Gislason sein System umjubelte, jüngere Flügel testete und der MT-Profi mit einer Adduktorenblessur kämpfte. Nun ist die Rechnung simpel: Wer Tore schießt, kommt wieder. 74 Buden in dieser Bundesliga-Saison, Trefferquote 68 Prozent. Das reicht, um Zerbes Ausfall zu kaschieren und Gislasons Offensive frisches Salz in die Wunde der Ägypter zu schmieren.
Die Aufstellung liest sich wie ein Who-is-Who des deutschen Aufbruchs. 14 der 17 Nominierten standen in der Januar-EM in Trondheim am Kreis, schmeckten Silber, lernten, dass Handball ohne Emotion nur Fitness ist. Ägypten ist der erste Praxistest nach dem Traum von der Medaille. In Dortmund erwartet die Mannschaft eine Halle, die vor zwei Jahren noch als „Geisterbucht“ durchs Netz ging – 12.000 Zuschauer, ausverkauft, keine Tickets mehr. In Bremen folgt 72 Stunden später das zweite Duell, diesmal mit Kinderhallen-Sound – 5.000 Kids, Gänsehaut inklusive.
Gislasons Kommentar klingt kühl, ist aber Kalkül: „Ägypten ist ein sehr guter Gegner, athletisch, unangenehm in der Deckung, mit zwei Weltklasse-Kreisläufern.“ Gemeint sind Ahmed El-Ahmar und Mohammad Sanad, beide über zwei Meter, beide mit NBA-Griffen im Rückraum. Wer sie stoppt? Johannes Golla und Justus Fischer, beide Flensburg, beide bereit, sich in die Schranken zu werfen. Dahinter wartet David Späth, der mit 37 Paraden in Trondheim den Silberglanz rettete. Jetzt also der Blick nach vorn.
Die Botschaft ist klar: Die EM ist Vergangenheit, der olympische Zyklus beginnt. Kastening ist das erste Puzzlestück. Wer als nächstes kommt, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Aber eins steht fest: Gislason traut seinem alten Neuling eine Menge zu – und Kastening selbst? Der sagt nur: „Ich habe nichts verlernt.“ Am Samstag um 18.15 Uhr in Dortmund beweist er es – oder erklärt es mit Toren.
