Karaman fährt trotz gelbsperre mit: sein knie knarrt, der kopf bleibt klar
Kenan Karaman wird am Sonntag im Elversberg-Stadion stehen – nur nicht auf dem Rasen. Die fünfte Gelbe Karte schickt den Schalke-Kapitän auf die Tribüne, doch statt zu Hause zu gammeln, nutzt er die Zwangspause als zwölfte Mann. „Ich fahre mit, Punkt“, sagt er, und schon kursiert im Kabinengang die Devise: Wer denken will, soll denken. Wir packen das gemeinsam.
Knieschmerzen kamen schleichend
Gegen Karlsruhe hatte er noch jubelnd die Armen hochgerissen, das 1:0 per Kopf. Dann spürte er ein Ziehen im rechten Knie, keine einzelne Attacke, nur der lästige Hauch einer Erinnerung. Die Wechselgeste folgte auf dem Fuß. „Ich wollte kein Risiko eingehen“, erklärt er knapp. Die Szene erinnert ihn an den Sommer, als eine Meniskus-Entzündung die komplette Vorbereitung zunichte machte. Damals links, diesmal rechts – das Bein wechselt, die Sorge bleibt.
Die Ärzte geben Entwarnung, doch die Gelbsperre kommt wie ein inoffizieller Erholungsurlaub. Drei Tage ohne Zweikampf, ohne Sprint, ohne Schubser. „Manchmal zwingt dich der Körper, langsamer zu machen, bevor du es selbst tust“, sagt Karaman. Die Ironie: Genau jetzt, wo Schalke in Elversberg den nächsten Schritt Richtung Aufstieg machen will, fehlen vier Leitwölfe gleichzeitig. Neben ihm Dzeko, Katic und Ayhan – allesamt Ausfall mit Seriennummer.

Leere bank, volle kabine
Doch der 32-Jährige will nicht jammern. Er packt seine Kabinen-Box, nimmt die Ansprache vor dem Bus mit aufs Handy. „Wenn ich nicht spielen kann, redet eben meine Stimme“, sagt er grinsend. In der Vergangenheit hat er mit flammenden Worten ganze Räume entzündet; jetzt reicht vielleicht schon sein bloßes Sitzen auf der Bank hinter der Bande. Die jungen Wilden gucken zur Tribüne hoch, sehen den Kapitän, der trotz Schmerzen lacht – und vergessen die personelle Lücke für neunzig Minuten.
Die Statistik nebenbei: Seit 2017 gelangen Karaman keine zwei Kopfballtore nacheinander, nun hat er zwei in Folge versenkt. Drei Punkte, zwei Treffer, ein Knie. Die Bilanz bleibt positiv, selbst wenn das Bein zickt. „Wir sind Schalke, wir laufen auch mit zehn Mann“, ruft er noch in den Katakomben, bevor er zur Behandlung verschwindet.
Am Sonntag wird er nicht jubeln können. Aber er wird da sein. Und das reicht der Mannschaft. Schalke steht nicht mit elf Spielern auf dem Platz, sondern mit jedem, der das Trikot trägt – ob auf dem Rasen oder im Herz.
