Karaman fällt aus – und fährt trotzdem mit: schalkes kapitän spielt die mentalitätskarte

Kenan Karaman wird den FC Schalke 04 am Sonntag in Elversberg nicht auf dem Platz führen – aber er wird dabei sein. Gelbsperre und ein gereiztes rechtes Knie halten den Kapitän nicht davon ab, mit nach Saarland zu reisen. Seine bloße Präsenz soll die Lücke füllen, die seine Tore und seine Stimme hinterlassen.

Ein sieg, der wehtut

Gegen Karlsruhe war er der Matchwinner, jetzt sitzt er in der Kabine. Sein Kopfballtor zum 1:0 gegen den KSC war sein zweites per Kopf in Serie – so effizient war er selbst 2016/17 nicht mehr. Doch die Freude währte nur 180 Sekunden. „Ich habe Schmerzen gespürt und wollte daher raus“, sagt er mit Eisbeutel am Knie. Die Diagnose: keine akute Verletzung, aber ein Alarmzeichen. Die Reaktion: keine Auszeit, sondern Teamdienst.

Schalke verliert mit ihm gleich vier Führungskräfte. Dzeko (Schulter), Katic (Knie), Ayhan (Gelb) – alle aus. Die Aufstellung liest sich wie ein Krankenbericht. Die Tabelle dagegen wie ein Aufstiegsmanifest. Zweiter Platz, 55 Punkte, drei Spieltage bis zur Entscheidung. Die Maschine läuft, aber sie verliert ihre Getriebe.

Der mann, der nicht aussetzt

Der mann, der nicht aussetzt

Karaman kennt das Knie-Theater. Im Sommer frischte ihn ein Meniskus im linken Gelenk aus, er verpasste die komplette Vorbereitung. Diesmal ist es das rechte, diesmal reagiert er früher. Pause auf Biegen und Brechen – nur eben nicht allein. „Ich denke, dass meine Präsenz der Mannschaft helfen kann“, sagt er. Kein Pathos, nur Programm. Er wird nicht spielen, aber er wird sprechen. In der Kabine, auf der Bank, im Tunnel.

Trainer Karel Geraerts verliert seinen Torjäger, nicht seinen Anführer. Die Frage ist, wer das Tor übernimmt. Terodde? Latza? Ein 18-jähriger Jugendspieler? In Elversberg zählt nicht der Name, sondern die Einstellung. Dort steht ein Team, das seit acht Spielen ungeschlagen ist – und ein Kapitän, der trotzdem mitreist.

Die Fans werden ihn hinter der Bande sehen, die Kamera wird ihn einfangen, wenn er nach jedem Zweikampf mit den Fäusten klatscht. Es ist keine PR-Geste, es ist die Logik eines Aufstiegsjahres: Wer aufgibt, verliert. Wer dabei ist, gewinnt vielleicht trotzdem.

Am Sonntag um 13.30 Uhr geht’s los. Schalke spielt um den Sprung auf Platz eins. Karaman spielt mit – nur eben ohne Schuhe. Und wenn die Mannschaft zurückkommt, holt sie sich vielleicht nicht nur drei Punkte, sondern auch ihren Kapitän frisch geölt mit.