Kane zurück, neuer raus: bayerns achterbahn vor atalanta-schlagerspiel
Harry Kane läuft wieder, Manuel Neuer fällt aus – und Max Eberl redet Tacheles. Vor dem Champions-League-Achtelfinale in Bergamo hat der Bayern-Sportvorstand die Karten auf den Tisch gelegt: Der Engländer ist fit, der Kapitän bleibt zu Hause, der 16-jährige Prescott darf mitfliegen. Die Kurzfassung: München reist mit Macht, aber ohne Machtwort.
Kane sprintet, davies dribbelt – ito schlägt ebenfalls wellen
Donnerstag noch mit Eisbeutel, Montag schon mit Ball: Kane absolvierte das komplette Programm, feierte die Rückkehr zur Mannschaftseinheit. „Er hat heute trainiert und er ist dabei“, sagte Eberl knapp – keine Einschränkung, kein „vielleicht“. Das 4:1 gegen Gladbach bewies, dass der FC Bayern auch ohne seinen 25-Tore-Mann überlebt; in Bergamo will er wieder zubeißen. Neben ihm lauert Alphonso Davies, der nach seinem Faserriss zumindest die Bank attackiert. Die Frage lautet nicht mehr „ob“, sondern „wie lange“ kann der Kanadier mitspielen.
Die Antwort lieferte Eberl fast nebenbei: „Bei Harry war die Pause Gott sei Dank nicht so lang.“ Der Verweis auf Kompany klang wie ein Schulterklopfen – der Trainer darf weiter rotieren, ohne den Top-Stürmer zu schonen. Denn wer Kane ersetzt, weiß jeder: niemand.

Neuers ausfall wirft schatten auf die zukunft
Während der eine Torjäger zurückkehrt, fehlt der letzte Mann hinten. Manuel Neuer zog sich eine Wadenfaserriss-Variante zu, fliegt nicht mit, verlängert vorerst seine Ausfallserie. „Nicht ewig lange“, betonte Eberl – aber wie lang ist das in der Lebensrealität eines 39-Jährigen? Der Vertrag läuft aus, die Verhandlungen stehen an. „Wir werden uns in Ruhe zusammensetzen“, sagte der Sportvorstand und schob nach: „Dann muss auch er mitteilen, wie er sich fühlt.“ Der Satz klingt nach Offenheit, ist aber auch ein Ultimatum: Die Uhr tickt, die Wade nährt Zweifel.
Jonas Urbig springt ein, 22 Jahre jung, ohne Champions-League-Angst. „Er hat eine super Entwicklung genommen“, schwärmt Eberl und erinnert an das Leverkusen-Rückspiel der Vorsaison: Note 2,0, kein Zufall. Urbig ist längst mehr als Notnagel – er ist der erste Schritt in die Zeit nach Neuer, ob mit oder ohne offizielles Amt.

Atalanta gilt als underdog – das ist die größte falle
Italiens Angstgegner für deutsche Spitzenklubs heißt nicht Milan oder Inter, sondern Atalanta. Europa-League-Sieger 2024, Leverkusen im Finale chancenlos, Bayern-Bezwinger in der Vorsaison. „Vom Namen her immer einer der vermeintlich Kleineren“, warnt Eberl, „aber jedes Jahr oben mit dabei.“ Die Statistik spricht für sich: Wer Gasperinis Mannschaft unterschätzt, fliegt früh raus.
Die Bayern reisen als Favorit, doch das Etikett klebt lose. Die Waden von Neuer, die Fragezeichen um Davies, die Frische von Kane – all das kann in 90 Minuten kippen. „Wir sind der Favorit, man sollte den Underdog aber nie unterschätzen“, sagte Eberl und klang dabei wie ein Mann, der schon einiges gesehen hat. Die Devise: Kein Schönspielen, sondern Schlagerspiel.
Am Dienstagabend um 21 Uhr beginnt die nächste Runde. München will keine Show, sondern ein Signal. Denn wer in Bergamo gewinnt, spart sich Heimnerven – und vielleicht auch die eine oder andere Vertragsfrage.
