Walscheid schlägt zurück: deutscher riesenfahrer landet auf dem podest von tirreno-adriatico

Max Walscheid hat es getan. Der 32-jährige Deutsche attackierte das Uhrwerk von Lido di Camaiore mit einer Mischung aus Wut und Präzision – und landete auf Platz drei. Dahinter liegt keine Statistik, sondern eine Geschichte vom Comeback.

Ganna dominiert, walscheid überrascht

Filippo Ganna fuhr natürlich wieder in seiner eigenen Dimension. 11,5 Kilometer in 12:46 Minuten, 22 Sekunden vor seinem Teamkollegen Thymen Arensman – das ist keine Leistung, das ist ein Statement. Der Italiener sammelt seine sechste Zeitfahr-Etappe bei Tirreno-Adriatico, die vierte am Strand von Camaiore. Für ihn ist das Rennen ein Trainingslauf auf höchstem Niveau.

Walscheid dagegen musste sich neu erfinden. Nach Jahren im Schatten der Weltklasse-Kronen sicherte er sich mit 26 Sekunden Rückstand Rang drei – nur einen Hauch vor Magnus Sheffield, dem dritten Ineos-Piloten. Die Zahl mag klein klingen, sie ist riesig für einen Fahrer, der zuletzt vor allem für seine Sprintarbeit bekannt war.

Warum das podest mehr ist als ein etappenerfolg

Warum das podest mehr ist als ein etappenerfolg

Lidl-Trek hatte Walscheid ursprünglich als Lead-out-Man für Matteo Moschetti verpflichtet. Doch der Riese aus Mönchengladbach ließ seine Muskeln sprechen: 1,98 Meter, 85 Kilo – kein klassisches Zeitfahrergewicht. Dafür nutzte er die flache Strecke, die windgeschützten Abschnitte und seine mentale Frische nach einem verkürzten Frühjahr.

Im Ziel war seine erste Reaktion ein Lachen zwischen Erleichterung und Unglauben: „Ich wusste, dass ich in Form bin, aber auf dem Podest zu stehen, das hatte ich mir nicht erlaubt zu träumen.“ Die 26 Sekunden klingen nach viel, sie sind für Walscheid ein Sieg gegen sich selbst.

Roglic und co. bleiben im schatten – vorerst

Roglic und co. bleiben im schatten – vorerst

Primoz Roglic fuhr solide auf Rang sieben, 31 Sekunden hinter Ganna. Für den Slowenen ist das ein gutes Omen: Er gewann Tirreno 2023 trotz eines achten Platzes im Auftaktzeitfahren. Antonio Tiberi und Isaac Del Toro folgen auf den Plätzen neun und zehn – alles innerhalb von 36 Sekunden. Das Rennen ist enger, als Gannas Solo vermuten lässt.

Die nächste Etappe führt über 218 Kilometer nach San Gimignano. Berge werden die Zeitfahr-Sequenz vergessen lassen, aber nicht Walscheids Ausrufezeichen. Er wird morgen nicht im Blauen Trikot starten, doch er trägt wieder Selbstvertrauen – und das wiegt schwerer als jede Uhr.