Kane jagt rekorde – reicht das für den ballon d’or?

Harry Kane katapultiert die Fußballwelt in Staunen. Der Angreifer des FC Bayern München pulverisiert Torrekorde und präsentiert eine Saison, die ihresgleichen sucht. Doch reicht die individuelle Brillanz allein, um den begehrtesten Titel im Fußball, den Ballon d’Or, zu gewinnen? Die Antwort ist komplexer als die bloße Zahl seiner Treffer.

Eine saison für die gesch bücher

Eine saison für die gesch bücher

61 Tore in allen Wettbewerben – eine Zahl, die selbst Fußballlegenden wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo in ihren Schatten stehen lässt. 36 dieser Treffer fielen in der Bundesliga, was Kane zum zweiten Mal in seiner Karriere den Goldenen Schuh sicherte. Seine Konstanz, so der Angreifer selbst in einem Interview mit L’Équipe, sei der Schlüssel zu diesem außergewöhnlichen Erfolg gewesen: „Ich hatte keine schwachen Momente, sondern war konstant. Das hat den Unterschied gemacht.“

Die Leistungen Kanes bewegen sich in Sphären, die bislang nur Messi und Ronaldo erreicht haben. Sein bisheriger Vereinsrekord lag bei 44 Toren – die Überschreitung der 60-Tore-Marke empfand er selbst als nahezu unerreichbar. Es ist eine Leistung, die nicht nur die Fans, sondern auch Experten weltweit beeindruckt.

Aber der Ballon d’Or ist mehr als nur eine Torjägerkanone. Er ist eine Auszeichnung für den besten Spieler der Welt, und die Entscheidungskommission berücksichtigt neben der individuellen Leistung auch die gewonnenen Titel. Hier liegt der Knackpunkt für Kane.

Während der Gewinn der Champions League die Chancen von Ousmane Dembélé (PSG) auf eine Auszeichnung deutlich erhöht, hängt Kanes Erfolg maßgeblich vom Abschneiden der englischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA ab.

Thomas Müller, Bayern-Urgestein, sieht die Dinge ähnlich. Im „Bayern-Insider“-Podcast betonte er, dass die „B-Note“ – also das künstlerische Element und die spielerische Eleganz – bei der Wahl des Weltfußballers eine große Rolle spiele. „Kane ist wichtig, aber wenn es um den Weltfußballer geht, denke ich an Spieler wie Michael Olise, weil da dieses Tänzerische, Leichtfüßige dabei ist. Das kannst du nicht lernen.“

Kane selbst äußerte sich zurückhaltend: „Ich wäre sicher einer der Favoriten, wenn England die WM gewinnen sollte. Aber ich bin nicht der Typ Mensch, der behauptet, den Ballon d’Or zu verdienen. Ich lasse meine Leistungen auf dem Platz für sich sprechen.“

Die Wahrheit ist: Harry Kane hat alles in seiner Macht stehende getan, um sich eine Chance auf den Ballon d’Or zu erkämpfen. Doch die WM wird über sein Schicksal entscheiden. Bleibt zu hoffen, dass er nicht nur Tore schießt, sondern auch die englische Nationalmannschaft zum Titel führt – denn nur dann kann er wirklich mit den größten Fußballern aller Zeiten verglichen werden. Und das, meine Damen und Herren, wäre eine Geschichte für die Ewigkeit.