Kameruns märchen von 1990: bittere erinnerungen an eine verlorene generation
Vor 36 Jahren eroberte Kamerun die Fußballwelt im Sturm. Das Team um Roger Milla erreichte sensationell das Viertelfinale der WM 1990 – ein Märchen, das heute vor dreieinhalb Jahrzehnten sein jähes Ende fand. Doch die Erinnerung daran ist bittersüß, denn viele der damaligen Stars sind nicht mehr unter uns.
Die unvergesslichen helden von damals, die uns verlassen haben
Die Liste der Verstorbenen, die mit diesem WM-Sommer in Verbindung stehen, ist erschreckend lang: Stephen Tataw, der Kapitän der „Unbezähmbaren Löwen“, verstarb 2020. Auch Finalheld Andreas Brehme, Diego Maradona, Weltmeister-Trainer Franz Beckenbauer und der italienische Torschützenkönig Salvatore „Toto“ Schillaci sind nicht mehr da. Die WM 1990 wirkt wie ein Echo einer vergangenen Ära, in der der Fußball noch eine andere Note hatte.

Roger milla und die sensation gegen maradona
Kameruns Auftritt bei der WM 1990 war eine Offenbarung. Unter der Leitung des russischen Trainers Waleri Nepomnjaschtschi schockierte der Afrikameister von 1988 den Titelverteidiger Argentinien um Superstar Diego Maradona mit einem überraschenden 1:0-Sieg. Roger Milla, damals 38 Jahre alt, avancierte zum gefeierten Helden mit seinen legendären Tänzen an der Seitenlinie nach jedem Tor – ein Bild, das bis heute unvergessen ist. Die Euphorie war schier unbegreiflich.
Doch neben Millas Glanz stachen auch andere, heute oft vergessene Spieler hervor. Francois Omam-Biyik, der Siegtorschütze gegen Argentinien, und Rechtsverteidiger Stephen Tataw spielten eine ebenso tragende Rolle. Tataw, der Anführer der Mannschaft, sorgte dafür, dass Milla seine individuelle Klasse voll entfalten konnte, indem er ihm den Rücken freihielt und das Kollektiv organisierte.

Ein tragisches ende und eine unerfüllte karriere
Tataws Karrierehöhepunkt war zweifellos die WM 1990. Vier Jahre später, bei der WM 1994 in den USA, war er erneut Kapitän, doch Kamerun scheiterte frühzeitig. Ein Wechsel in die englische Premier League scheiterte knapp an einem Probetraining bei den Queens Park Rangers. Stattdessen wagte er 1997 einen ungewöhnlichen Schritt: Als erster Afrikaner wechselte er nach Japan und versuchte, seinen Verein Tosu Futures in die erstklassige J-League zu führen – ein Unterfangen, das letztendlich scheiterte.
Sein früher Tod im Jahr 2020, mit nur 57 Jahren, riss ein weiteres Loch in die Geschichte des kamerunischen Fußballs. Tataw hinterließ ein Erbe als Leader und Innovator, der den Mut hatte, neue Wege zu gehen. Die WM 1990 mag ein Märchen gewesen sein, doch die Erinnerung daran ist geprägt von Verlust und dem Bewusstsein, dass eine ganze Generation von außergewöhnlichen Fußballern uns verlassen hat.
