Kälteeinbruch zum frühlingsstart: schnee bis 600 meter

Mailand packt aus: Der erste Frühlingsweekend wird zur Falle. Schon am Freitagabend rollt eine Kaltluftdroge aus den Balkanländern herüber, am Samstag kacheln die Alpen ein, und am Sonntag schlägt der Nordwesten zurück – mit Regengüssen, die bis in die Metropolregion Mailand reichen.

Der Auslöser ist ein hartnäckiges Tiefdruckgebiet, das sich gegen den blockierenden Hochdruckkern über Nordeuropa stemmt. Dazwischen: Italien, das zur Abkühlungsrampe wird. Die Temperaturkurve fällt um bis zu acht Grad, die Schneefallgrenze sinkt auf 600 Meter, in den westlichen Voralpen sogar darunter.

Der spielplan für samstag und sonntag

Samstagmorgen beginnt der Schauplatz in der Carnia. Erste Nieselregen tränken die Karstflächen, bald darauf ziehen die Niederschläge in die westliche Friaul-Julisch Venetien und weiter in die Julischen Alpen. Unter 1.000 Meter bleibt es nasskalt, darüber fällt Schnee. Während der Ligurische Archipel noch mit Aufheiterungen kämpft, setzt sich im Piemont schon am Nachmittag eine geschlossene Wolkendecke durch. Die Luft kühlt auf 5 Grad ab, der Föhn bricht zusammen.

Sonntag wird zur Kernschmelze aller Frühlingsfantasien. Mailand wacht bei 3 Grad auf, der Himmel bleibt bleigrau. Von Turin bis Genua schieben sich Schauer über die Po-Ebene, dabei fallen in den Hügeln um Asti und Alessandria bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Appenin-Außenposten erhalten Schnee ab 800 Meter, die inneren Täler schon ab 600 Meter. Wer jetzt auf die Skipisten der Monta Rosa-Seite flüchtet, findet Pulverschnee – aber bei minus 12 Grad Windchill.

Im Süden bleibt die Lage brüchig. Kalabrien und Sizilien kriegen vereinzelte Regenschauer, doch der Ionischen Raum profitiert von einem schwachen Hochkeil. Dort klettern die Temperaturen tagsüber noch auf 16 Grad, nachts bleibt es aber unangenehm frisch bei 8 Grad.

Was das für sportevents bedeutet

Was das für sportevents bedeutet

Der AC Milan plant ein Open-Air-Training im Trainingszentrum Milanello – abgesagt. Die Organisatoren des Mailand-Marathons, der in zwei Wochen startet, müssen Streckenposten neu verankern, weil der nasse Boden die Barrieren in den Grünanlagen nicht mehr trägt. Und die Serie-C-Partie zwischen Pro Sesto und Legnano droht zu einem Schlammschwimmfest zu werden, weil der Platz in Sesto San Giovanni keine Drainage besitzt.

Die Formel-1-Teams, die derzeit ihre Autos in den Windkanälen von Modena und Faenza testen, verlegen die Sessions in die Nachtschicht. Die Kühlluft ist trockener, die Daten sauberer. Ein kleiner Trost: Die Skisprung-Nationalmannschaft kann endlich wieder auf Naturspuren trainieren – die Anlage in Predazzo hat 30 Zentimeter Neuschnee bekommen.

Der Frühling bleibt also ein Wunschdenken. Statt Magnolienblüten gibt es Schneematsch, statt Sonnenbrillen Eishupen. Die Wetterdienst-Computer stimmen überein: Die Kaltluft blockiert bis mindestens Mittwoch den Alpenraum. Danach? Vielleicht taucht das Hoch wieder auf – oder es kommt die nächste Kältewelle. Mailand hat jedenfalls schon mal den Schneebrunnen vorgebaut.