Pellizzari attackiert morgen die sanremo: der 22-jährige italiener jagt mit roglic den ersten monument-sieg
Die Via Roma wird
morgen einen neuen Helden sehen. Giulio Pellizzari, 22, springt in die Arena, die Rik Van Looy, Merckx und Cancellara geprägt haben – und er tut es mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der in diesem Frühjahr schon Podeste in Tirreno und Milano-Torino polierte. Die Red Bull-Bora-Hansgrohe hat ihn neben Primoz Roglic zum Co-Kapitän erklärt. Das ist kein Lernjahr mehr, das ist ein Machtanspruch.Warum die sanremo für pellizzari mehr als nur ein rennen ist
Der Marchigiane kennt die beiden anderen Monumente der Heimat, Liège und den Lombardia, bereits aus dem Sattel. Die Sanremo fehlte auf seiner Visitenkarte – bis jetzt. Nach Rang drei an der Adria und dem vierten Platz in Torino ist seine Formkurve steiler als der Poggio. „Er hat die Sprungkraft, um den Angriff auf dem Poggio mitzugehen, und die Wucht, um danach allein durchzustoßen“, sagt Sportdirektor Jens Zemke. Die Zahlen sprechen für ihn: 6,2 Watt pro Kilo auf zehn Minuten, ein Sprint, der sich mit 1.200 Watt in die Datenbank der Rennleitung brannte.
Hinter den Kulissen arbeitet die deutsche Mannschaft schon an der Zukunft. Pellizarris Vertrag läuft bis 2028, doch das Management hat ein Angebot bis 2030 auf den Tisch gelegt. Die Botschaft: Wir bauen das Team um dich. Beim Giro, wo er 2023 als Sechster debütierte, will er 2025 die Maglia Rosa tragen. Wer ihn beim Trainingslager in Österreich beobachtete, sah keinen Jungen mehr, sondern einen Kapitän, der die Befehle gibt.
Roglic? Der Slowene ist nicht nur Backup. Er ist der Glücksfall, der Pellizzari den Wind vor der Haarnadel von Sanremo abnimmt. „Primoz kann die Rennhöhe diktieren, Giulio kann sie kaputtmachen“, sagt ein Mechaniker, während er die 54er Ketteblätter montiert. Die Kombination aus Erfahrung und Rohkraft macht die Red-Bull-Formation zur Geheimfavoritin. Buchmacher zahlten gestern Mittag 9:1 auf den Italiener – vor zwei Wochen waren es noch 25:1.

Die angst der konkurrenz hat einen namen
In den WhatsApp-Gruppen der Fahrer kursiert ein Foto: Pellizzari bei der finalen Tirreno-Etappe, Blick auf den Powermeter, die Zahlen verschwommen. Die Botschaft: Er fährt noch nicht am Limit. Van der Poel und Van Aert haben das Bild gesehen. Sie wissen, dass die Sanremo in den letzten 50 Kilometern eine andere Logik erhält. Wer den Poggio zuerst tritt, kann allein sein. Pellizzari hat diesen Kick. Und er hat nichts zu verlieren.
Morgen um 9:03 Uhr rollen die 175 Starter in der Via della Chiesa aus. 298 Kilometer später wird sich zeigen, ob der 22-Jährige die Lücke von Fondriest bis zu dem Tag schließt, an dem ein Italiener wieder die Via Roma hinauffährt. Die letzte italienische Sieg stammt von Nibali 2018. Pellizzari trägt dieses Wissen wie ein zusätzliches Kettenblatt. Er wird nicht warten. Er wird angreifen. Und er wird sich nicht umdrehen.
