Kahn zündelt gegen hoeneß: „rückzug? dauert schon ewig“

Oliver Kahn hat beim Münchner Traditionsklub offenbar noch eine Rechnung offen. Der ehemalige Bayern-Chef schickte am Mittwochabatt einen Seitenhieb auf Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, der bis in die Marienplatz hinein zu hören war.

„Man hört dann: ,Wir werden uns irgendwann zurückziehen, wenn die richtigen Leute gefunden sind.‘ Das Ganze zieht sich jetzt viele, viele Jahre hin“, wetterte Kahn gegenüber Sky. Die Ankündigung des Abschieds bezeichne er als „Dauerschleife“. Seit wann? Seit mindestens 2019, als Hoeneß erstmals öffentlich von einem „runderen Abschied“ sprach. Fakt ist: Beide sitzen weiterhin fest im Aufsichtsrat, und die angekündigte Generationalwende läuft nach Kahns Geschmack „im Schneckentempo“.

Warum kahn jetzt lostritt

Der 56-Jährige kennt die Machtzentralen an der Säbener Straße aus eigenem Leid. Nach seiner brutalen Entlassung am 27. Mai 2023 durfte er am letzten Spieltag nicht einmal ins Stadion. „Für mich ist diese Zeit vorbei. Das ist Vergangenheit“, sagte er später. Doch der Frust blieb. Intern hieß es, Kahn habe sich in Führungsrunden „zur Schnecke gemacht“ und sei „unerreichbar“ gewesen. Jetzt holt er auf – mit verbalem Gegenwind.

Die neue Personalie Rouven Kasper als Marketingvorstand sei zwar ein „kleiner Lichtblick“, meint Kahn, aber eben nur das. Die eigentliche Frage laute: „Wer übernimmt das Ruder sportlich und operativ?“ Eine klare Antwort steht aus. Salihamidzic-Nachfolger Christoph Freund ist seit Oktober 2023 im Amt, doch die sportliche Leitung bleibt verkleinert auf Max Eberl und Christoph Freund beschränkt – ein Konstrukt, das intern als „Interim bis zur Sommerpause“ gilt.

Die antwort der alten: „wir gehen, wenn’s passt“

Die antwort der alten: „wir gehen, wenn’s passt“

Hoeneß hatte beim Münchner Marketing-Kongress im Oktober betont, man würde „quasseln“-Vorwürfe entschieden zurückweisen. Im Sport1-Doppelpass präzisierte er: „Wenn wir das Gefühl haben, dass die richtigen Personen am richtigen Posten sind, dann werden wir uns zurückziehen.“ Klingt nach einem offenen Check-out, ohne Zeitstempel. Für Kahn offensichtlich ein rotes Tuch.

Die Szene erinnert an ein Schachspiel, bei dem der ehemalige Titan die Figuren neu aufstellt – allerdings aus der Distanz. Seine Kritik trifft einen Nerv: In Fanforen kursiert seit Monaten das Meme „Hoeneß-Rummenigge-Evergreen“, das die beiden als ewige Quereinsteiger ins Tagesgeschehen porträtiert. Die Aktionäre sind längst alarmiert: Seit der Trennung von Kahn hat die Bayern-Aktie um 11 Prozent an Wert verloren, während die Konkurrenz aus Leverkusen und Leipzig ihre Marke poliert.

Kahn selbst will nicht mehr „die Vergangenheit“ sein. Er berät Start-ups, investiert in Sport-Tech-Firmen und lässt sich für 60.000 Euro pro Keynote buchen. Die Bayern-Vergangenheit hat er längst zur „geschlossenen Tür“ erklärt. Doch die Spitze, die er hinterließ, bleibt offen – und seine Worte ein Echo, das in der Allianz Arena lauter wird, je länger die Führungsvacuum dauert.

Für die Fans heißt das: Der Machtkampf um die Seele des Rekordmeisters ist längst nicht vorbei. Die alten Männer wollen gehen, „wenn’s passt“. Der einstige Titan fragt: „Wann, wenn nicht jetzt?“ Die Antwort liegt weiter im Ungefähren – und genau das ist Kahns Pointe.