Grimaldo fällt gegen bayern aus – hjulmand muss sein ganzes puzzle neu sortieren
Alejandro Grimaldo hat sich seine fünfte Gelbe Karte gerade noch rechtzeitig für den Gipfel gegen Bayern abgeholt. Nun sitzt der spanische Linksverteidiger am Samstag in der BayArena auf der Tribüne – und Bayer Leverkusen plötzlich auf einem Schachbrett, auf dem mehrere Figuren gleichzeitig fehlen.

Lücke links, fragezeichen rechts, zentrum prekär
Trainer Kasper Hjulmand kann nicht einfach „Ersatz“ rufen. Er muss umbauen, umdenken, vielleicht sogar das System wechseln. Denn neben Grimaldo fehlen Arthur (Syndesmoseriss), Lucas Vázquez (Wadenprobleme) und Jeanuel Belocian (ausgeliehen). Rechts stehen nur die beiden noch grünen Zweitliga-Debütanten Axel Tape und Tim Oermann zur Verfügung, die bei ihren Kurzeinsätzen schon gegen Mittelklasse-Dribbler zittern mussten – jetzt kommt Michael Olise.
Die einfachste Lösung wäre Ernest Poku links. Der Niederländer war schon in der Youth League Linksverteidiger, riss gegen ManCity Jeremy Doku das Tempo weg und hat den Sprint, den Grimaldos Ersatz braucht. Aber: Poku gibt’s nur einmal. Stellt Hjulmand ihn links, fehlt rechts wieder ein Spieler, der Kingsley Coman oder Leroy Sané in den Griff bekommt. Ein Dominoeffekt, der die komplette Kette ins Wanken bringt.
Die Alternative: Zurück zur Dreierkette, wie gegen Hamburg. Das würde die Außen schützen, zentral aber Joshua Kimmich und Jamal Musiala freie Räume zwischen den Linien lassen. Hjulmand hat die Wahl zwischen zwei Übeln – und keine Zeit, zu experimentieren. Denn gegen Bayern zählt jede Kleinigkeit: ein verschobenes Mittelfeld, ein früher Ballverlust, ein verrutschtes Abwehrband.
Grimaldo selbst wird in der Kabine sitzen, Kopfhörer auf, Tablet auf dem Schoß, die eigene Analyse laufen lassen. Er kennt die Räume, die er normalerweise besetzt, die Laufwege, die er öffnet. Nur kann er sie diesmal nicht rennen. Statistisch gesehen fällt mit ihm 30 Prozent der Vorstöße auf die linke Seite aus – und 42 Prozent der Standards gehen über seinen linken Fuß. Bayer schießt also fast die Hälfte ihrer gefährlichen Szenen mit einem Spieler, der nun zuschaut.
Die Kluft wird noch größer, wenn man sich die Tordifferenz anschaut: Mit Grimaldo steht eine Bilanz von plus 21, ohne ihn nur plus 2 in den vergangenen zwei Spielzeiten. Kleine Zahl, große Botschaft. Leverkusen verliert mit ihm nicht nur einen Linksverteidiger, sondern eine Anspielstation, eine Halbchance, einen Ausweg.
Am Samstag um 18.30 Uhr wird sich zeigen, ob Hjulmand sein ganzes Puzzle neu sortieren kann – oder ob Bayern die Lücken sofort aufreißt. Die Meisterschaft ist längst entschieden, aber für Leverkusen geht es um die Champions-League-Tickets. Und die kann man sich nicht mit dem nächsten Flug nach Europa erkaufen, sondern nur mit Punkten, die jetzt zählen. Grimaldo wird auf der Bank mitwippen, mitbeißen, mitleiden. Der Rest der Mannschaft muss mitkommen – sonst rutscht Bayer genau in dem Spiel, das sie eigentlich gewinnen müssen, wieder ein paar Meter nach unten.
